Flixbus-Unfall mit 4 Toten und 46 Verletzten: Prozess gegen Fahrer beginnt
Von André Jahnke
Leipzig/Eilenburg - Es war eines der schlimmsten Busunglücke der vergangenen Jahre: Auf der A9 bei Leipzig verlor am 27. März 2024 der Fahrer die Kontrolle über seinen Flixbus mit 54 Menschen an Bord. Vier Frauen im Alter von 19, 20, 43 und 47 Jahren starben in dem Wrack, 46 Fahrgäste wurden verletzt. Knapp zwei Jahre später beginnt an diesem Freitag (13. März) der Strafprozess gegen einen der beiden Busfahrer.
Er ist vor dem Amtsgericht Eilenburg angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 46 Fällen. Die Verhandlung findet wegen des größeren Saals nicht in Eilenburg, sondern am Landgericht Leipzig statt. Es ist nur ein Verhandlungstag angesetzt, ein Urteil wird also noch am Freitag erwartet.
Der Doppelstockbus war am 27. März 2024 auf dem Weg von Berlin nach Zürich verunglückt. Unter den 54 Menschen an Bord waren zwei Busfahrer.
Der damals 62 Jahre alte Fahrer habe gegen 9.45 Uhr bei fast Tempo 100 die Kontrolle über den Bus verloren, hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Sie geht davon aus, dass der Mann die "im Verkehr erforderliche Sorgfalt" vermissen ließ und dadurch den Unfall verursacht hat.
Unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten habe der Fahrer nicht gestanden. Auch technische Mängel hatte der Bus laut Gutachten nicht. Nach Angaben des Busunternehmens war der Fahrer seit Abfahrt in Berlin um 8 Uhr am Steuer und habe alle Lenk- und Ruhezeiten eingehalten.
Diskussion um Anschnallpflicht in Reisebussen
Der schwere Unfall hat auch die Diskussion um die Anschnallpflicht in Reisebussen neu entfacht. Diese ist nach Einschätzung des Verbandes der Mitteldeutschen Omnibusunternehmen aber nur schwer durchzusetzen.
Zwar würden die Fahrer bei Fahrtantritt und nach Pausen darauf hinweisen, und es gebe Hinweisschilder an den Plätzen, hatte Verbandschef Mario König gesagt. Eine Kontrolle sei für den Busfahrer aber schlichtweg nicht machbar.
Auch ein Sprecher der Dresdner Polizei hatte betont, dass sich Gurt-Verweigerer im Bus schlechter überführen ließen. Die Kontrolle erfolge meistens auf Sicht, wenn man vorbeifahre.
Auch technische Möglichkeiten seien begrenzt. Ein Sensor für nicht eingesteckte Gurte, wie er bei modernen Pkw oft verbaut ist, wäre zwar theoretisch möglich, würde aber bei jedem Toilettengang des Fahrgastes Alarm schlagen. Deshalb sei diese Technik, wie in Flugzeugen auch, nicht praktikabel.
Titelfoto: Jan Woitas/dpa

