Leipzig - Am Leipziger Landgericht ist am Freitag der tragische Flixbus-Unfall, bei dem im März 2024 auf der A9 vier Frauen ums Leben kamen, verhandelt worden. Direkt zu Beginn gab der Angeklagte eine Erklärung ab und bestätigte die Schilderungen der Staatsanwaltschaft zum Unfallhergang. Nun ist das Urteil gegen den Busfahrer gefallen.
Vlastimil S. (64) erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das für den Prozess zuständige Amtsgericht Eilenburg sprach den 64-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 25 Fällen schuldig.
"Nach der Beweisaufnahme steht für das Gericht fest, dass Herr S. den Bus führte und während der Fahrt aufgrund einer Nachlässigkeit nicht die erforderliche Aufmerksamkeit hatte, die von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist, insbesondere dem Führer eines Reisebusses", sagte der Vorsitzende Richter Steve Eidner. Er folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Vlastimil S. akzeptierte den Schuldspruch noch im Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft ließ noch offen, ob sie Rechtsmittel einlegen wird. Die Bewährungszeit für den 64-Jährigen läuft drei Jahre.
Bei dem Unfall im März 2024 kamen auf der Autobahn A9 bei Leipzig vier Frauen (19, 20, 43, 47) ums Leben, die sich als Passagiere an Bord des Busses befanden. 46 weitere Insassen wurden teils schwer verletzt. "Für die Angehörigen der Toten und die Verletzten stellt der Unfall eine Zäsur dar", erklärte Richter Eidner. "Manche kommen eventuell über das Ereignis hinweg. Andere wird es ein Leben lang begleiten."
Flixbus-Fahrer räumt Fehlverhalten ein
Direkt zu Beginn der Verhandlung hatte der Angeklagte eine Erklärung abgegeben und eingeräumt, dass sich die Tragödie wie von der Staatsanwaltschaft geschildert zugetragen habe. Demanch hatte die Sonne den Fahrer auf der Autobahn geblendet, weshalb er nach seiner Mütze griff. Dabei verzog er das Lenkrad, wodurch der Bus ins Schlingern geriet und schließlich von der Fahrbahn abkam.
"Ich soll Ihnen ausrichten, dass es ihm unendlich Leid tut, was passiert ist", sagte Verteidiger Peter Pospisil (59) im Namen seines Mandanten. "Er würde die Zeit zurückdrehen, doch das kann er nicht." Der Unfall habe auch sein Leben verändert. "Seit Mai 2024 hat sich Herr S. selbst in Psychotherapie begeben bis heute."
Dem Anwalt zufolge lag bei dem Unglück keine Übermüdung vor. Alkohol und Drogen sollen keine Rolle gespielt haben.
"Bis zum Unfall ist mein Mandant korrekt gefahren. Bis zum Zeitpunkt hatte er keine Eintragungen. Er war kein Risikofahrer", so der Verteidiger. "Es handelt sich um ein einmaliges fahrlässiges Fehlverhalten."
Laster-Fahrer schildert Tragödie: "Das war für mich der Horror"
Auch ein 46-jähriger Lkw-Fahrer, der vor Gericht als Zeuge auftrat, hatte erklärt, dass ihm die Sonne an dem Morgen ins Gesicht geschienen habe.
Der Bus habe ihn kurz zuvor überholt und sei dann vor ihm eingeschert, erklärte der Lkw-Fahrer. Ein paar Meter weiter sei er dann nach rechts geraten, kurz darauf sei er umgekippt.
Der Lasterfahrer habe zusammen mit zwei Autofahrern sofort gehalten, um den verunglückten Menschen zu helfen. "Das war für mich der Horror. Ich habe eine Dame gesehen, ihr halber Körper lag unter dem Bus."
Der Kopf einer zweiten, älteren Dame sei voller Blut gewesen sein. "Ihre Beine waren unter dem Bus. Sie hat nach Hilfe gerufen. Darunter war eine Leiche."
Die Feuerwehr habe schließlich übernommen. Die Bilder würden den 46-Jährigen bis heute beschäftigen.
Keine technischen Mängel am verunfallten Flixbus
Ein Sachverständiger der DEKRA lieferte am Nachmittag genauere Einblicke zum Bus und dem Unfallhergang. Demnach habe es an dem Fahrzeug keine Hinweise auf Reifenplatzer oder andere Ereignisse gegeben.
Bei der Untersuchung des Busses seien keine technischen Auffälligkeiten festgestellt worden. "Die Unfallursache lässt sich somit nur auf die subjektive Fahrweise zurückführen." Die Schilderung der Staatsanwaltschaft, der Bus sei beim Griff nach der Mütze von der Fahrbahn abgekommen, könne dabei nicht als Unfallursache ausgeschlossen werden.
Die vier Frauen, die bei dem Unfall ums Leben kamen, sollen allesamt auf der oberen Ebene des Busses gesessen haben und nicht angeschnallt gewesen sein. Bereits zuvor hieß es während der Verhandlung, die Frauen wurden bei der Tragödie aus dem Fahrzeug geschleudert und von diesem zerquetscht, als es kippte.
Erstmeldung am 13. März, 11.50 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 17.54 Uhr.