Wahnsinn auf der Eisenbahnstraße: Fünf Jahre Knast für Mord-Anschlag, der an blockierter Pistole scheiterte

Leipzig - Drogen, Waffen, tödliche Revierkämpfe - Leipzigs Eisenbahnstraße gilt seit Jahrzehnten als Sachsens kriminellste Meile. Doch nicht alle Ganoven dort können ihre Schießeisen auch richtig bedienen - was einem Kampfsportler das Leben rettete.

Muss fünf Jahre in Haft: Fikret A. (61) wurde wegen versuchten Mordes verurteilt.  © Ralf Seegers

Im Sommer 2024 brodelte es mal wieder besonders heftig im Kiez. Im Mittelpunkt stand die Shisha-Bar "Wunderlampe", die bei Leipzigs Drogenfahndern als einer der Hauptumschlagsplätze für Rauschgift aller Art gilt und deshalb schon mehrfach amtlich geschlossen wurde.

Nach einem offenbar schief gelaufenen Drogendeal wurde im Juni vor der Bar ein Libyer (48) erstochen. Ein Türke (43) steht deshalb aktuell wegen Totschlags vor Gericht.

Fünf Tage nach der Bluttat kam es zur nächsten Auseinandersetzung. Auf der Suche nach dem untergetauchten Messerstecher, der sich später aus Angst vor den Nordafrikanern der Polizei stellte, tauchte der tunesische Kampfsportler Mahdi T. (38) nachts vor dem Haus von dessen Cousin Fikret A. (60) auf. Es kam zum Showdown auf offener Straße.

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Der beleibte Türke zog laut Anklage eine halbautomatische Pistole, richtete sie auf den durchtrainierten Tunesier und drückte ab. Doch es machte nur "klick".

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Ausgangspunkt der Gewaltspirale: Kriminalisten sichern im Juni 2024 vor der "Wunderlampe" Spuren, nachdem hier ein Libyer erstochen wurde. Fünf Tage später kam es zum Mord-Versuch durch den Cousin des Messerstechers.  © EHL Media

Angeklagter wähnte sich in Notwehr-Situation

Polizisten sichern den Bereich um die "Wunderlampe" ab - in der Shisha-Bar gab es schon mehrere Razzien, bei denen größere Mengen Drogen sichergestellt wurden.  © Christian Grube / dpa

"Daraufhin zog der Angeklagte den Schlitten zurück und drückte abermals ab", so Staatsanwalt Torsten Naumann. Doch auch beim zweiten Versuch löste die Taurus-Pistole nicht aus. Wie sich später herausstellte, hatte Fikret A. offenbar vergessen, einen der zwei Sicherungshebel zu lösen.

Mahdi T. konnte unversehrt flüchten. Obwohl sich Fikret A. angesichts des Vorgeschehens an der "Wunderlampe" in einer Notwehr-Situation wähnte, wurde er dennoch wegen versuchten Mordes angeklagt.

Vor Gericht erklärte der Türke, dass er sich von dem Tunesier bedroht fühlte, ihn aber nicht töten wollte. Er habe sehr wohl gewusst, dass die Waffe noch gesichert sei, wollte damit nur drohen, so sein Verteidiger Curt-Matthias Engel.

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Das Schwurgericht konnte diese Darstellung allerdings nicht überzeugen. Die Richter schlossen sich der Sichtweise der Staatsanwaltschaft an und verurteilten Fikret A. jetzt wegen versuchten Mordes und illegalen Waffenbesitzes zu fünf Jahren Gefängnis. Verteidiger Engel kündigte umgehend Revision an.

Im parallel laufenden Totschlags-Prozess gegen den Cousin ist noch kein Ende in Sicht.

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