Weil Richterin in Mutterschutz geht: Vier Tage nach geplatztem Prozess ist Messerstecher auf freiem Fuß

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Leipzig - Das wird dem Sicherheitsgefühl der Menschen in Leipzig sicher richtig "guttun": Nur vier Tage, nachdem der Prozess um den Messertoten auf der Eisenbahnstraße wegen der Schwangerschaft einer Richterin platzte, ist der mutmaßliche Killer am Dienstag auf freien Fuß gesetzt worden.

Kemal A. (43) saß seit dem Vorfall Juni 2024 in U-Haft, wurde am Dienstag aus dem Gefängnis entlassen.
Kemal A. (43) saß seit dem Vorfall Juni 2024 in U-Haft, wurde am Dienstag aus dem Gefängnis entlassen.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Es musste noch nicht mal das Oberlandesgericht in Dresden entscheiden. Auf die Haftbeschwerde der Verteidigung hin setzte die 16. Strafkammer des Leipziger Landgerichts noch kurz vor dem Mutterschutz einer beisitzenden Richterin den Haftbefehl gegen Kemal A. (43) selbst außer Vollzug.

Der Türke, der im Juni 2024 vor der als Drogenumschlagplatz bekannten Shisha-Bar "Wunderlampe" einen Libyer (48) erstochen haben soll, kam sofort auf freien Fuß.

Begründet wurde die Entscheidung mit gesundheitlichen Problemen des mutmaßlichen Killers, der seit seiner Festnahme im Juni 2024 ununterbrochen in U-Haft gesessen hatte. In dieser Zeit soll Kemal A. zwei Herzinfarkte erlitten haben.

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Der seit fast genau einem Jahr laufende Prozess gegen den Türken war am vergangenen Freitag nach 46 Verhandlungstagen geplatzt, da eine Richterin in der Zeit schwanger wurde und die Beweisaufnahme nach Ansicht der Kammer nicht bis zum Beginn des Mutterschutzes kommende Woche hätte abgeschlossen werden können.

Kein neuer Prozess in Sicht - Schwurgericht muss neu besetzt werden

In der Nacht zum 29. Juni 2024 soll der Angeklagte vor dieser Bar auf der Leipziger Eisenbahnstraße einen 48-Jährigen niedergestochen haben. Der ins Koma gefallene Libyer verstarb später im Krankenhaus.
In der Nacht zum 29. Juni 2024 soll der Angeklagte vor dieser Bar auf der Leipziger Eisenbahnstraße einen 48-Jährigen niedergestochen haben. Der ins Koma gefallene Libyer verstarb später im Krankenhaus.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

Ein Termin für eine Neuauflage stehe noch nicht fest, teilte Gerichts-Sprecher Hans Jagenlauf auf TAG24-Anfrage mit. "Die Kammer ist bemüht, noch in der ersten Jahreshälfte neu zu beginnen", erklärte er.

Bis auf eine Position wird das Schwurgericht komplett neu besetzt. Denn auch die bisherige Vorsitzende Richterin Antje Schiller steht für die Neuauflage nicht mehr zur Verfügung. Sie wechselt demnächst an den Bundesgerichtshof.

Der geplatzte Prozess ist Folge der prekären Personalsituation an Sachsens Strafgerichten.

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Die Richterstellen sind noch nach einem Personalschlüssel besetzt, der sich am Arbeitsaufkommen der Jahre 2012 und 2013 orientiert. Zahl und Umfang der Verfahren sind jedoch seither stetig angewachsen.

Sachsens Justizministerium plant erst im nächsten Jahr eine Neubewertung.

Titelfoto: Bildmontage: EHL Media/Erik-Holm Langhof

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