Magdeburg - Am Dienstag geht der Gerichtsprozess gegen den Amokfahrer des Magdeburger Weihnachtsmarktes weiter. Zuletzt sagten mehrere Zeugen und Betroffene aus.
Unter anderem sollen jetzt von Taleb A. (51) im Internet geschriebene Texte übersetzt und vor den Richtern ausgewertet werden.
Auch ein Polizist ist als Zeuge geladen, der den Anschlag und die Begegnung mit dem Attentäter aus seiner Sicht schildern soll.
TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog direkt aus dem Gerichtsgebäude.
Grundlegende Informationen zu dem Attentat und dem langwierigen Gerichtsverfahren findet Ihr in folgendem Artikel: "Eigenes Gerichtsgebäude gebaut: Mega-Prozess gegen Magdeburger Amokfahrer startet".
13.24 Uhr: Attentäter gab Videointerview
Die Mittagspause ist vorbei und es wird ein letztes Video gezeigt. Es handelt sich dabei um ein Interview.
Taleb A. wird darin von einer Person einer US-Foundation über das Thema Flüchtlinge und Islam befragt. Er selbst hat dem Glauben den Rücken gekehrt und bezeichnet sich als Helfer für Ex-Muslime.
Das 45 Minuten lange Interview wird in mehreren Abschnitten von der Sachverständigen übersetzt.
Um die Verhandlung nicht weiter in die Länge zu ziehen, haben sich die Vorsitzenden darauf geeinigt, zunächst auf das Mitschreiben zu verzichten. Stattdessen soll die Dolmetscherin eine schriftliche Übersetzung einreichen.
12.03 Uhr: Richter unterbricht zur Mittagspause
Die Sachverständige hat alle englischsprachigen Videos auf Deutsch übersetzt und ihre Aufzeichnungen vorgelesen.
Mit dem letzten von insgesamt fünf Videos unterbricht der vorsitzende Richter Sternberg die Verhandlung und ordnet eine Mittagspause bis 13 Uhr an.
11.24 Uhr: Taleb A. nutzte KI für Video als Elon Musk
Zu aller Überraschung der Anwesenden zeigt die Sachverständige ein Video mit Tesla- und Twitter-Chef Elon Musk (54). Es handelt sich jedoch um ein Video, welches mit künstlicher Intelligenz erstellt wurde.
Das Video stammt vom Amokfahrer selbst, was auch zu Beginn vom falschen Elon Musk erklärt wird. Mit dem Avatar versucht Taleb A., sich über die Zensur in Deutschland zu beschweren.
Er zeigt darin einen inhaltlich bedenklichen Tweet aus Kanada, welcher in Deutschland nicht betrachtet werden kann.
11.08 Uhr: Videos zeigen erneut wirren Angeklagten
Ein anderes Video des Attentäters handelt von Personen einer "illegalen Organisation" aus Köln. Darin behauptet er, dass eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen werde.
Zudem zeigt er darin einen Videoausschnitt einer jungen Frau von der Plattform "Snapchat". Er analysiert ihr Verhalten und kritisiert, wie sie ihre Brüste präsentiert. Zudem behauptet er, sie leide an Drogen- und Alkoholsucht.
Die Inhalte der Videos zeigen keine neuen Erkenntnisse über den Attentäter. Sie bestätigen die in der Vergangenheit immer wieder ersichtliche Verwirrtheit.
10.54 Uhr: Sitzungsteilnehmer brauchen Geduld
Weil Taleb A. in seinen Twitter-Videos auf Englisch redet, wurde eine Dolmetscherin als Sachverständige geladen. Kläger, Anwälte, Zuschauer und Pressemitarbeiter müssen dafür Geduld mitbringen.
Die Sachverständige muss das in den Videos Gesagte Schritt für Schritt vorlesen. Der Protokollführer könne sonst nicht mit der Sprechgeschwindigkeit mithalten und schnell genug mitschreiben.
10.34 Uhr: Attentäter beschwert sich in Video über Regeln und Gesetze
In einem weiteren Video beschwert sich Taleb A. über die "übertriebene Regulierung" in Deutschland. Die Bürger würden in Leben, Freiheit, Besitz und Eigentum stark eingeschränkt werden.
Als Beispiel führt er an, keine private Überwachungskamera verwenden zu dürfen, die beispielsweise einen Briefkasten überwacht. Auch der erschwerte Kauf von Schusswaffen wird von ihm in dem Video angeprangert.
10.24 Uhr: Twitter-Videos von Taleb A. werden gesichtet
Nach einer kurzen Unterbrechung steht die nächste Zeugenanhörung an. Geladen sind zwei Sachverständige, die sämtliche von Taleb A. im Internet veröffentlichte Texte und Medien begutachtet haben.
Zunächst geht es um ein Twitter-Video, in welchem der Angeklagte erklärt, dass die "Deutsche Nation ruiniert" werden soll, weil sie "Flüchtlinge umbringt".
9.55 Uhr: Taleb A. nutzt Redezeit wieder für Beschwerden
Der vorsitzende Richter Sternberg fragt den Angeklagten, ob es diesen Vorfall in Rostock gegeben habe. Taleb A. bestätigt dies und nutzt erneut seine Redezeit für Beschwerden.
Seiner Meinung nach gehen jegliche deutschen Behörden mit ihm ungerecht um. Die deutsche Bevölkerung beruht seit vielen Jahren auf Lügen, so der Angeklagte.
9.46 Uhr: Sitzung startet mit Polizeibeamten als Zeuge
Ohne große Umwege geht es direkt nach der Eröffnung der Sitzung in die nächste Zeugenanhörung. Geladen wurde ein Polizist aus Rostock.
Der 57-Jährige hatte demnach im Jahr 2013 einmal eine E-Mail über den späteren Amokfahrer verfasst. Empfänger war die Ausländerbehörde Salzlandkreis. Darin hieß es, dass Taleb A. vor der Ärztekammer in Rostock in Hungerstreik getreten sei.
An seinen verfassten Text könne sich der Beamte "vage" erinnern, jedoch nicht mehr an genaue Details.
Nach zehn Minuten wurde er wieder aus dem Zeugenstand entlassen.