Von Birgit Reichert
Trier - Der Prozess um den von seinem Stiefsohn und dessen Halbbruder ermordeten Arzt (†53) hatte für großes Aufsehen gesorgt. Jetzt wird der Fall teils neu verhandelt – gegen seine Ex. War sie möglicherweise die Mittäterin?
Fast dreieinhalb Jahre nach dem Mord steht die frühere Lebensgefährtin des Opfers erneut vor Gericht. Von der Tat im gemeinsamen Wohnhaus in Gerolstein (Vulkaneifelkreis) habe sie nichts mitbekommen, sagte sie im neu aufgerollten Prozess am Landgericht Trier.
In der Nacht im Dezember 2022 sei ihr damals 16-jähriger Sohn zu ihr im Obergeschoss ans Bett gekommen, habe sie geweckt und sie nach unten geführt. "Da lag der Mann, den ich geliebt habe und war tot", sagte die Krankenschwester.
Ermordet von ihrem Sohn und dessen Halbbruder, die beide inzwischen rechtskräftig wegen Mordes verurteilt sind.
"Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen", sagte sie. Dass sie das nicht getan habe, sei die schlimmste Entscheidung ihres Lebens gewesen. "Ich habe alles verloren."
Die Angeklagte half den Jugendlichen, die Leiche im Wald zu vergraben
Stattdessen half sie den beiden Jugendlichen, die Leiche in einem Waldstück bei Rockeskyll zu vergraben. Sie habe ihren Sohn als Täter schützen wollen.
Im ersten Prozess im August 2024 konnte der Frau eine Beteiligung an der Tötung nicht nachgewiesen werden. Sie wurde wegen unterlassener Hilfeleistung und Brandstiftung zu zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Angeklagte und die beiden jungen Männer die Tat gemeinsam geplant haben – und hat daher wegen gemeinschaftlichen Totschlag angeklagt.
Motiv soll gewesen sein, dass der 53-Jährige seit Längerem übermäßig Alkohol getrunken habe – und es dann zu verbalen und körperlichen Übergriffen gekommen sei.
Sohn stützt die Aussage seiner Mutter
Auch am Tatabend hatte der Arzt die Angeklagte den Angaben zufolge beleidigt und bedroht. "Er hat mich am linken Arm gepackt und gequetscht. Und dann mit der Hand auf den Kopf geschlagen", sagte sie.
Daraufhin haben die jungen Männer den Arzt mit einem Baseballschläger und Schraubenschlüssel von hinten attackiert und dann mit einem um den Hals gezogenen Kabelbinder erdrosselt.
Vor Gericht stützte der Sohn die Aussage seiner Mutter. Er habe sie nach der Tat geweckt und geholt. Sie sei nicht in der Küche gewesen, als er und sein Halbbruder auf den Mann losgegangen seien.
"Wir wollten ihm eigentlich eine Ansage machen, dass er aufhören soll, uns zu beleidigen und zu bedrohen", sagte der heute 20-Jährige. Der Arzt habe aber ein Messer in der Hand gehabt und habe einen Schritt auf ihn zu gemacht. "Da ist alles eskaliert."
Die Mutter sei, als sie heruntergekommen sei und den Arzt am Boden gesehen habe, zusammengebrochen. "Sie hat geweint."