Er hinterm Steuer, das Tier auf der Straße: Rentner fuhr mit seinem Hund Gassi

Pirna (Sachsen) - "Balu ist mein Ein und Alles!" Wenn Jörg S. (56) von seinem Golden Retriever spricht, hat er Tränen in den Augen. Vor fünf Jahren bekam er ihn als Welpen. Seither weichen sich beide nicht mehr von der Seite. Doch die Art und Weise, wie er seinen Hund Gassi führt, rief jetzt die Justiz auf den Plan. Nun stand der EU-Rentner vor der Amtsrichterin in Pirna.

Jörg S. (56) und sein Golden Retriever Balu sind unzertrennlich. Leider kann der EU-Rentner mit ihm nur schwer Gassi gehen, fuhr deshalb mit dem Auto nebenher.
Jörg S. (56) und sein Golden Retriever Balu sind unzertrennlich. Leider kann der EU-Rentner mit ihm nur schwer Gassi gehen, fuhr deshalb mit dem Auto nebenher.  © Ove Landgraf

"Ich kann nicht mehr gut laufen. Aber der Hund braucht doch Auslauf", sagt der ehemalige Möbelpacker, der auf eine kreuzgefährliche Idee kam.

Um seine kaputten Gelenke zu schonen, setzte er sich hinters Steuer seines Skoda, fuhr zwischen Daube und Doberzeit (bei Lohmen). Neben ihm, auf der Gegenspur, trottete Balu.

So aber war der schneckenlangsame Skoda ein Hindernis für nachfolgende Fahrzeuge. Und Balu eine ernste Gefahr für den Gegenverkehr.

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Es kam, wie es kommen musste: Ein Autofahrer stieg in die Eisen. Zum Unfall kam es zwar nicht, aber im Auto war auch ein zehn Wochen alter Säugling. Trotz Babyschale erlitt das Kind eine Stauchung der Wirbelsäule.

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sollte Jörg S. per Strafbefehl 900 Euro bezahlen und seinen Führerschein drei Monate abgeben.

Er legte Einspruch ein und kam zur Richterin. "Es tut mir ja leid. Aber der Hund muss doch bewegt werden."

An dieser Stelle nahe Pirna wäre es beinahe zum Umfall gekommen, als Vierbeiner Balu auf der Gegenfahrbahn trottete.
An dieser Stelle nahe Pirna wäre es beinahe zum Umfall gekommen, als Vierbeiner Balu auf der Gegenfahrbahn trottete.  © Ove Landgraf

Jörg S. beschwerte sich über "Gesetze und Verbote" und kassierte das nächste Knöllchen

So ein Mist! Vor Gericht setzte es nach dem Urteil gleich das nächste Knöllchen fürs Herrchen - falsch geparkt.
So ein Mist! Vor Gericht setzte es nach dem Urteil gleich das nächste Knöllchen fürs Herrchen - falsch geparkt.  © Ove Landgraf

Die Richterin schimpfte: "Sie sollten dem lieben Gott danken, dass die Strafe so mild ist! Sie sind mir doch neulich schon wieder so entgegenkommen!"

Kurz stutzte Jörg S.: "Ach, Sie waren das. Aber das war doch ein Landwirtschaftsweg ..."

Dennoch zog er lieber seinen Einspruch zurück. "In diesem Land gibt es nur noch Gesetze und Verbote", sagte er traurig, als er aus dem Gericht kam.

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An seinem Skoda wartete nicht nur Balu an der offenen Heckklappe auf ihn. Sondern auch zwei Politessen. "Sind sie ein Einsatzfahrzeug?", fragte eine barsch.

Jörg S. hatte auf dem Polizeistellplatz geparkt - und kassierte das nächste Knöllchen.

Titelfoto: Ove Landgraf

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