Angeklagte lockten Männer mit Fake-Profilen in brutale Falle

Von Martin Oversohl

Stuttgart - Sie gaben sich online in Fake-Profilen als minderjährige Mädchen aus, lockten Männer zu fingierten Dates – und schlugen dann brutal zu: Vier selbst ernannte "Pedo Hunter", also Pädophilen-Jäger, sitzen in den kommenden Monaten unter anderem wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes, der Vergewaltigung und der besonders schweren räuberischen Erpressung auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

Die vier Angeklagten sollen sich online als minderjährige Mädchen ausgegeben haben, um ahnungslose Männer bei fingierten Sextreffen in die Falle zu locken – und dann brutal zuzuschlagen.  © Bernd Weißbrod/dpa

Sie hatten sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft monatelang auf einer Dating-Plattform als Mädchen ausgegeben, um mit ihren Opfern in Kontakt zu kommen – und diese in wechselnder Besetzung beim fingierten Treffen zu bedrohen, zu missbrauchen und zu berauben.

Die nun angeklagten jungen Männer im Alter von heute 19 bis 20 Jahren waren dabei unter anderem mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffnet.

Laut Staatsanwaltschaft organisierte das Quartett seine Taten in einer Chatgruppe als "dynamische Gruppierung". Der Kreis der mutmaßlichen Täterinnen und Täter soll sogar deutlich größer gewesen sein:

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Nach früheren Angaben der Polizei werden 15 weitere Männer und drei Frauen verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein.

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Angegriffene Männer haben laut Polizei nichts falsch gemacht

Die Angeklagten mussten sich am Freitag vor Gericht verantworten.  © Bernd Weißbrod/dpa

Ein ähnliches Vorgehen selbsterklärter Pädophilen-Jäger kursiert derzeit unter dem Schlagwort "Pedo-Hunting" in sozialen Netzwerken. Die Polizei Stuttgart betonte nach der Razzia im Dezember allerdings, die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht.

Der Begriff "Pedo-Hunter" passe daher nicht. "Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben", hieß es.

Das hob zum Prozessauftakt auch der Richter hervor: "Nach Aktenlage gibt es überhaupt keine Hinweise, dass es sich bei den Erwachsenen um Pädophile handelt", sagte er. 

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Insgesamt sind vor der Jugendstrafkammer fast 20 Verhandlungstage bis Mitte Juli geplant.

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