Kinderleiche in der Donau entdeckt: Bleibt der Junge für immer namenlos?

Von Ulf Vogler

Ingolstadt/Großmehring - Ein totes Kind, Plastikfolie, ein Pflasterstein: Der Fall eines mutmaßlich bei einem Gewaltverbrechen getöteten Jungen beschäftigt die Kripo in Ingolstadt auch nach mehr als dreieinhalb Jahren.

Ein digitales Fahndungsplakat brachte nicht den entscheidenden Hinweis.
Ein digitales Fahndungsplakat brachte nicht den entscheidenden Hinweis.  © Peter Kneffel/dpa

"Wir sprechen nicht von einem Cold Case. Weil cold wäre er nur dann, wenn alle Ermittlungsspuren abgearbeitet sind", sagt Polizeisprecher Andreas Aichele.

Der schreckliche Fall des toten Vorschulkindes war im Frühjahr 2022 bekannt geworden. Ein Kanufahrer hatte damals den in Plastik verpackten Körper des Buben bei Großmehring östlich von Ingolstadt aus der Donau gezogen. Das tote Kind war mit einem Pflasterstein im Fluss versenkt worden.

Der Leichnam war vermutlich zwischen den Staustufen Ingolstadt und Vohburg ins Wasser geworfen worden und dann wochenlang in der Donau getrieben.

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Die Kriminalpolizei betrieb einen großen Aufwand, um den Fall zu klären. Die Beamten suchten den Fluss ab, verteilten Flugblätter, überprüften Vermisstenfälle aus dem In- und Ausland und ließen das wahrscheinliche Gesicht des fünf bis sechs Jahre alten Jungen von einer spezialisierten Gerichtsmedizinerin rekonstruieren.

Toter Junge aus der Donau: Internationale Ermittlungen mit großem Aufwand

Die Ermittler sicherten am Fundort des Leichnams Spuren.
Die Ermittler sicherten am Fundort des Leichnams Spuren.  © Matthias Balk/dpa
Rechtsmedizinische Gesichtsrekonstruktion: So soll der Junge ausgesehen haben.
Rechtsmedizinische Gesichtsrekonstruktion: So soll der Junge ausgesehen haben.  © Polizeipräsidium Oberbayern Nord/dpa

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... Ungelöst" wurde der Fall vorgestellt, bundesweit wurde das Bild des Kindes vom Bundeskriminalamt (BKA) auf Werbemonitoren gezeigt. Die Fahndungsplakate wurden in mehrere Sprachen übersetzt, auch Interpol fahndet wegen des Falls "Boy in the Danube" (Der Junge in der Donau). Für entscheidende Hinweise wurde eine Belohnung von 15.000 Euro ausgesetzt.

Es habe das ganze Jahr 2025 weitere Ermittlungen gegeben, einige Spuren seien verfolgt worden, erläutert Aichele. "Zum Schluss war auch in diesem Jahr kein entscheidender Hinweis dabei, der in irgendeiner Form auf die Identität dieses Jungen hindeuten würde."

"Wir haben viel gearbeitet, aber wenig Ergebnisse", räumt der Polizeisprecher ein. Er betont allerdings, dass sich bei der Kripo weiterhin zwei Leute federführend mit dem Fall beschäftigen. "Wir sind nach wie vor dran."

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Aichele verweist auf die besonderen Probleme bei internationalen Ermittlungen. Bei solchen weltweiten Fahndungen gebe es auch viel Bürokratie zu bewältigen, sagt er. Bis man Ergebnisse habe, dauere es dadurch einige Zeit.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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