Nur drei Prozent angezeigt: Erschreckende Studie über sexuelle Gewalt bringt Wahrheit ans Licht
Von Anne-Beatrice Clasmann
Berlin - Die von der Polizei registrierten sexuellen Übergriffe auf Frauen in Deutschland bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der verübten Straftaten ab. Das zeigen die Daten einer umfangreichen Studie im Auftrag der Bundesregierung.
Demnach werden Frauen zwar deutlich häufiger Opfer sexueller Übergriffe als Männer, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als männliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.
Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt bei diesen Taten, zu denen Vergewaltigungen und andere nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen zählen, demnach bei drei Prozent. Männliche Opfer zeigen entsprechende Übergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der Fälle an. Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der Männer aufgrund der niedrigen Zahl von Fällen mit Messungenauigkeit verbunden sei.
Auch fällt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die Männer betreffen, auch von Männern verübt wird.
Während bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Übergriffen die Täter zu 98,2 Prozent männlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen Männer gerichteten sexuellen Übergriffe auch der Täter ein Mann.
90 Prozent der Gewalttaten spielen sich innerhalb einer Partnerschaft ab
Die repräsentative Dunkelfeldstudie mit dem Titel "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag" - für die zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt worden waren - beantwortet auch einige Fragen, die nicht Gegenstand der jährlich veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind, da diese nur Delikte umfasst, die der Polizei bekannt geworden sind.
Dunkelfeldstudien versuchen, das tatsächliche Ausmaß von Kriminalität aufzudecken, da nicht alle Taten zum Beispiel aus Scham oder Misstrauen angezeigt werden.
Blickt man auf die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Partnern, so zeigt sich: Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt hat sich hier innerhalb der Partnerschaft ereignet.
8,4 Prozent der männlichen Betroffenen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichten von körperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung.
Beschluss des Bundeskabinetts zwingt Täter nun zum Tragen einer Fußfessel
Um Frauen künftig besser vor gewalttätigen Ex-Partnern zu schützen, hat das Bundeskabinett im November beschlossen, dass Familiengerichte die Täter künftig zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verpflichten können sollen.
Nähert sich der Täter - wissentlich oder unwissentlich -, wird das Opfer über ein Empfangsgerät gewarnt und kann sich gegebenenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen oder Unterstützung suchen.
Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stärker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben demnach in den vergangenen fünf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der Männer körperliche Gewalt innerhalb der Partnerschaft beziehungsweise durch Ex-Partner erlebt.
Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren in diesem Zeitraum 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer betroffen.
Titelfoto: Fotomontage: Bernd von Jutrczenka/dpa, 123RF/ gioiak2

