Brutaler Mord an "Katzenjule" in Sachsen: Wer hat Vera (†66) so grausam umgebracht?

Nünchritz - Sie war Katzenfreundin, lebte zurückgezogen und hatte offenbar das Messie-Syndrom: Vera Marotz (†66) ist vor mehr als 17 Jahren brutal ermordet worden. Der oder die Täter konnten bislang nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Doch die Ermittler haben noch nicht aufgegeben.

Vera Marotz (†66) wurde in der Nacht zum 20. Oktober 2004 nahe Riesa tot neben ihrem Handwagen gefunden.
Vera Marotz (†66) wurde in der Nacht zum 20. Oktober 2004 nahe Riesa tot neben ihrem Handwagen gefunden.  © Bildmontage: Polizei

In ihrer Kindheit kam Vera Marotz mit ihrer Mutter aus Westpreußen nach Nünchritz, einer kleinen Gemeinde bei Riesa im Landkreis Meißen.

Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1991 zog die alleinstehende Frau in eine kleine Plattenbau-Wohnung, wie im "Kripo live"-Beitrag erzählt wird. Dort lebte sie zurückgezogen.

"Sie war schüchtern und verfügte über wenige soziale Kontakte", weiß Kriminologin Dr. Bettina Goetze. "Sie hatte ihr Haus nur noch nachts verlassen, weil sie sich da scheinbar sicherer fühlte. Genau dieser Umstand wurde ihr später zum Verhängnis.

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Aufgrund ihrer Sammelleidenschaft könne man ihr zufolge durchaus vom Messie-Syndrom sprechen.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2004 war die Katzenfreundin Vera Marotz, die als "Katzenjule" bezeichnet wurde, mit ihrem Handwagen unterwegs. Sie beräumte laut Polizei ein Grundstück und schaffte in der Nacht mehrfach Gegenstände in eine alte Scheune, die sich 250 Meter entfernt vom späteren Tatort befunden hatte.

Zwischen 23.50 Uhr und 2.40 Uhr waren außerdem höchstwahrscheinlich Teenager und junge Erwachsene in Nünchritz und Grödel zugange, die mehrere Sachbeschädigungen begingen.

Mit diesem Handwagen war die Frau unterwegs.
Mit diesem Handwagen war die Frau unterwegs.  © Polizei

Mord an Vera Marotz: "Ihr Gesichtsschädel war zertrümmert, sie hatte massivste Verletzungen am Rumpf"

Der Tatort befindet sich auf der Grödeler Straße zwischen Nünchritz und Grödel. (Archivbild)
Der Tatort befindet sich auf der Grödeler Straße zwischen Nünchritz und Grödel. (Archivbild)  © Ove Landgraf

Offenbar diese Gruppe traf auf der Verbindungsstraße zwischen Nünchritz und Grödel auf die 66-Jährige, die sie mit einem stumpfen Gegenstand schlug und mit Tritten malträtierte.

Nur zufällig entdecken Polizisten den Handkarren und die daneben liegende Leiche, als sie wegen der Sachbeschädigungen alarmiert wurden.

"Wer eine hilflose alte Frau über Minuten misshandelt und mit dieser extremen Brutalität tötet, muss seine Strafe bekommen", sagte der damalige Leiter der Dresdner Mordkommission, Volker Wichitill. "Ihr Gesichtsschädel war zertrümmert, sie hatte massivste Verletzungen am Rumpf."

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Kriminologin Dr. Goetze geht von der Frustrations-Aggressions-These aus. "Diese besagt, wenn ein Mensch immer wieder Frustrationen erlebt und keine geeigneten Bewältigungsstrategien hat, die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass er aggressiv wird."

Eventuell stamme der Täter aus einem brüchigen, desolaten Elternhaus und auch seine Biografie dürfte durch markante Brüche gekennzeichnet sein.

Wann überführt die gefundene DNA-Spur die Mittäterin?

Unter den Fingernägeln der Getöteten wurden damals DNA-Spuren einer Frau gefunden, die nicht zwingend die Mörderin sein muss. "Aber sie war dabei, hat das zerschlagene Gesicht der wehrlosen Frau noch heute vor Augen", war sich Wichitill schon damals sicher.

Mehr als 2600 Speichelproben von Frauen mit Bezugspunkt zu Nünchritz und Umgebung wurden ausgewertet - ohne Treffer. Bis heute ist der Mörder oder die Mörderin von Vera Marotz nicht gefunden worden.

Hinweise zu dem Fall - auch vertraulich - nimmt die Polizeidirektion Dresden, Schießgasse 7 in 01067 Dresden, unter Tel. 0351/483-2233 entgegen.

Titelfoto: Bildmontage: Polizei

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