Mordfall Fabian (†8): Polizistin kämpft mit den Tränen
Von Christopher Hirsch
Rostock - Am 18. Verhandlungstag im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow wurde eine Polizistin bei ihrer Aussage vor Gericht teils sehr emotional.
Als es um den Fund des Jungen ging, kamen der Beamtin zeitweise die Tränen. Sie stockte und musste ihre Aussage unterbrechen. Kurz zuvor hatte sie geschildert, wie die inzwischen wegen Mordverdachts Angeklagte sie und einen Kollegen zum Fundort dirigierte.
Die Angeklagte hatte den Fund am 14. Oktober der Polizei gemeldet. Vor Ort habe sie nicht tief emotional erschüttert gewirkt, sagte die Polizistin. Sie sei sehr kooperativ und auch "redselig" gewesen.
Ohne große Nachfragen habe sie von sich aus geschildert, dass sie die Leiche gefunden habe, als sie mit einer Freundin einen Spaziergang gemacht habe und ihrem Hund nachgegangen sei. Demnach erklärte sie auch frühzeitig, dass deshalb Spuren von ihr am Fundort seien.
Was die Angeklagte sagte, war laut der Polizistin "sehr klar und deutlich formuliert". Auf sie habe es zurechtgelegt gewirkt. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, ob Momente tiefer emotionaler Erschütterung der Angeklagten erkennbar waren, sagte die Polizistin: "Nein." Das habe sie nicht wahrgenommen.
Die Angeklagte habe von sich aus nach einem Seelsorger gefragt. Auf die Polizistin habe es gewirkt, als habe die Angeklagte damit ihre fehlende Emotionalität kompensieren wollen.
Die Polizistin holte sich nach eigener Aussage im Anschluss selbst Hilfe. Der Fund der Leiche mit deutlichen schwersten Verletzungen sei sehr belastend gewesen. Sie sprach von einer Schocksituation. "Er wurde entsorgt wie Müll", das sei ihr Eindruck gewesen. "Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss."
Polizistin schildert emotionales Zusammentreffen mit dem Vater
Eine Polizistin hate das erste Zusammentreffen mit dem Vater geschildert. Er sei vor dem Haus der Familie der inzwischen Angeklagten aufgetaucht und habe unter anderem gesagt, er würde ihr "alles zutrauen". Dabei sei Fabians Vater sichtlich emotional und angetrunken gewesen.
Die Polizei sei an dem Tag des Auffindens im Rahmen der Ermittlungen zum Haus der Frau gefahren, die der Polizei den Leichenfund an einem Tümpel südwestlich von Güstrow gemeldet hatte und inzwischen wegen Mordverdachts vor Gericht steht.
Die inzwischen Angeklagte war zum damaligen Zeitpunkt die Ex-Freundin von Fabians Vater, stand aber permanent mit ihm in Kontakt. Laut Handyauswertungen hatte sie dem Vater nach der Meldung des Leichenfunds am 14. Oktober geschrieben, sie könne sich erst einmal nicht mehr melden. Die Polizei nahm ihr damals zeitweise das Handy ab.
Obwohl Fabian seit Tagen vermisst wurde, informierte die heute 30-Jährige demnach den Vater nicht über den Fund der Leiche. Auch, dass sie, wie von Zeugen geschildert, schon am Vortag am Fundort war, sagte sie Fabians Vater den Auswertungen zufolge nicht.
Stattdessen beschwerte sie sich über seinen Kontakt mit anderen Frauen.
Fabians Vater berichtet von Ärger wegen seines Sohnes
Am inzwischen 18. Verhandlungstag sagte die Polizistin, Fabians Vater habe sich nach eigener Aussage über die Nachrichten der Ex-Freundin und über die Präsenz der Polizei bei ihr gewundert.
Er habe der Beamtin von einem schwierigen Verhältnis zu der Frau berichtet. So habe seine Ex-Freundin ihm vorgeworfen, dass er nach dem Verschwinden des Kindes keine Hilfe von ihr angenommen habe.
Auch habe er gesagt, es habe in der Vergangenheit Ärger wegen Fabian gegeben. Fabians Vater sei sehr ungehalten, aber auch in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen.
Vor Gericht hatte Fabians Vater gesagt, er glaube an die Unschuld der Angeklagten. Auch seien beide inzwischen wieder ein Paar.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, den Jungen am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Demnach soll das Motiv mit der Beziehung zum Vater zusammenhängen.
Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidiger im August äußern. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil, der zunächst bis 10. September terminiert ist.
Erstmeldung um 06.09 Uhr, aktualisiert um 16.46 Uhr.
Titelfoto: Fotomontage: Danny Gohlke/dpa, Polizeipräsidium Rostock

