Stade - Eine extra eingerichtete Mordkommission übernimmt die Ermittlungen zum Tatgeschehen mit sechs Todesopfern in Stade. Zudem sollen weiter Details zum Sorgerechtsstreit aufgetaucht sein. Wie es mit dem Kind des Tatverdächtigen weitergeht, ist noch offen.
Die Polizei bittet Zeugen weiter um Fotos und Videos, die etwas zur Aufklärung der tödlichen Schüsse in der Jugendhilfeeinrichtung am Montag beitragen können. Unterdessen ist der Tatverdächtige in Untersuchungshaft gekommen.
Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle im Sorgerechtsstreit um das drei Monate alte Kind steht noch aus.
Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. Nach der Schließung der betroffenen Mutter-Kind-Gruppe aufgrund der Schüsse sind die 34-Jährige und ihr Baby anderweitig untergebracht worden.
Zudem wurden weitere Hintergründe der Tat bekannt: Am Steuer des Fluchtwagens soll die mutmaßliche Patentante seines drei Monaten alten Kindes gesessen haben. Diese soll laut BILD drei Tage vor der Tat ein 20-seitiges Dokument an mehrere Medien verschickt haben - so auch an die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".
In dem Schreiben soll es vor allem um den Sorgerechtsstreit gehen, den der mutmaßliche Täter und seine Frau mit den Behörden in der Region Hannover geführt haben sollen.
In dem Dokument soll die mutmaßliche Patentante den Tatverdächtigen als hilflosen Vater darstellen. Es soll eine Aufklärung über die Sicht der Dinge der Familie sein. Verifiziert seien die Aussagen der Dame allerdings nicht, die Darstellung auch nur einseitig.
Expertin nach Schüssen in Jugendeinrichtung: Das braucht es zum Schutz der Mitarbeitenden
Laut Patentante sollen die Eltern den Säugling am 12. April 2026 ins Krankenhaus gebracht haben, weil er erbrach und zuckte. Die Ärzte sollen daraufhin eine Hirnblutung diagnostizierten haben. Deren Vermutung: Der Tatverdächtige habe das Kind geschüttelt. Die Patentante soll als Grund für die Verletzung des Kindes jedoch angegeben haben: Der Vater sei im Halbschlaf mit seinem Kopf gegen den Kopf des Säuglings gestoßen. Das Jugendamt soll diese Version nicht geglaubt haben.
Nach Informationen von BILD habe es daraufhin ein familienrechtliches Verfahren am Amtsgericht gegeben. Dabei soll es um das Sorgerecht gegangen sein. Das Kind durfte schließlich unter Auflage bei der Mutter leben, allerdings nur im betreuten Umfeld der Hilfeeinrichtung.
Am Montag soll es in der Jugendhilfeeinrichtung dann einen Termin für ein "Hilfeplangespräch" gegeben haben. Sechs Menschen haben den Termin nicht überlebt.
Erstmeldung um 6.49 Uhr, aktualisiert um 12.58 Uhr.