Amokfahrt von Mannheim jährt sich: "Habe im Rückspiegel gesehen, die Leute schreien"

Von Stefanie Järkel

Mannheim - Am 3. März 2025 tötete ein damals 40-Jähriger bei einer Amokfahrt in der Mannheimer Fußgängerzone mit seinem Auto zwei Menschen. Der Taxifahrer Muhammad A. stoppte den Täter und rettete Leben.

Am Tag der Amokfahrt stoppte Muhammad A. den Täter mit seinem Taxi.  © Uwe Anspach/dpa

Muhammad A. sitzt am Rosenmontag 2025 in der Fußgängerzone am Taxistand in seinem Taxi und wartet auf Kunden. Plötzlich sieht er im Rückspiegel, wie ein Fahrer mit seinem Auto Menschen umfährt. "Ich habe im Rückspiegel gesehen, die Leute schreien, richtig schreien", erzählt der 47-Jährige am damaligen Tatort.

"Da habe ich gesagt: Nein, ich muss ihn stoppen." Er schert aus der Reihe wartender Taxis aus, hupt, warnt die Menschen vor dem Amokfahrer und fährt diesem hinterher.

In einer Sackgasse stoppt Muhammad A. sein Taxi hinter dem Auto des Amokfahrers und verhindert damit dessen Weiterfahrt.

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Der Täter schießt laut Landgericht Mannheim mit einer Schreckschusswaffe gegen die beschädigte Windschutzscheibe, um A. einzuschüchtern, und flüchtet. Kurz darauf fasst die Polizei den Mann.

Bei der Amokfahrt werden zwei Menschen getötet und 14 weitere verletzt.

Im Dezember wurde der Täter unter anderem wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Aufgrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung sah das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit an. Aktuell befindet er sich in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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Der Täter wurde im Oktober 2025 zu einer lebenslangen Strafe verurteilt.  © Bernd Weißbrod/dpa

Muhammad A.: "Ich bin kein Held"

Als Held will A. nach seiner Tat nicht gelten. "Ich bin kein Held, ich kann nicht Held sein", sagt er beim Gespräch in der Moschee seiner muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde. "Ich bin Muslim und meine Religion sagt: Es gibt keine Helden, alle Muslime sind gleich." Die Religion gebe ihm Kraft. Wenn er gebetet habe, fühle er sich wie neugeboren.

Die Erlebnisse vor einem Jahr belasteten ihn allerdings auch, sagt er. Erst zwei Monate nach der Tat sei er wieder bei der Arbeit eingestiegen, zunächst nicht in Vollzeit. Mittlerweile mache er Therapie. Er sei einfach nicht mehr so belastbar wie vor der Tat.

"Ich kann meine Firma nicht richtig führen", sagt A. Er könne sich nicht richtig auf seine Arbeit konzentrieren. Wenn er zwei Stunden unterwegs sei, habe er Kopfschmerzen und gehe dann nach Hause. Als selbstständiger Unternehmer könne er es sich allerdings nicht leisten, nicht zu arbeiten.

Der gebürtige Pakistaner ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Thomas Strobl: "Dem Mut eines Einzelnen zu verdanken"

Die Tat sorgte für bundesweite Anteilnahme.  © Uli Deck/dpa

Mit seinem beherzten Eingreifen damals hat A. Schlimmeres verhindert, lautet die Einschätzung der Ermittler.

"Es ist dem Mut eines Einzelnen zu verdanken, dass nicht weitere Menschen verletzt oder getötet wurden", sagt Innenminister Thomas Strobl (65, CDU) der Deutschen Presse-Agentur zum Jahrestag.

"Der Taxifahrer Muhammad A. hat das Fahrzeug des Täters selbstlos und ohne zu zögern gestoppt und so andere Leben gerettet." Dafür gebühre ihm Anerkennung und Dank.

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Muhammad A. ist ein ruhiger Mann, der mit leiser Stimme erzählt. Sein Deutsch ist gebrochen. Er lebe seit 19 Jahren in Deutschland und habe seit sieben Jahren sein eigenes Taxiunternehmen in Mannheim. Er habe zwölf Mitarbeiter, fahre aber weiterhin seine eigenen Schichten.

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