Erschreckend hohe Zahl von Messerangriffen in Deutschland

Berlin - "Messerangriffe auf Radfahrer", "Streit führt zu Attacke mit Messer", "Zwei Messerangriffe am Wochenende", "Zeugenaufruf nach Messerangriff". So oder ähnlich lauteten Dutzende Schlagzeilen über Messerangriffe in Deutschland auch in diesem Jahr. Die nun bekannt gewordene Zahl solcher Attentate im vergangenen Jahr ist erschreckend hoch!

Für 2020 zählt die Kriminalstatistik fast 20.000 Straftaten, bei denen ein Messer genutzt oder mit einem Messer gedroht worden ist.
Für 2020 zählt die Kriminalstatistik fast 20.000 Straftaten, bei denen ein Messer genutzt oder mit einem Messer gedroht worden ist.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Fast 20.000 Messerangriffe innerhalb eines Jahres in Deutschland", titelte die Welt am Sonntag. Die hohe Zahl bezieht sich auf das Jahr 2020. Im Schnitt machte das rund 55 Messerattacken täglich. Das ergab eine Anfrage der "Welt am Sonntag" bei den Innenministerien der Länder.

Und dabei handelt es sich nur um die Delikte mit einem Messer als Tatmittel, die im vergangenen Jahr von den Polizeibehörden erfasst wurden.

Zu den meisten Attacken kam es demnach in Nordrhein-Westfalen (5411), gefolgt von Berlin (2593) sowie Niedersachsen (2.377). Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern legten alle anderen Bundesländer ihre Zahlen dazu vor.

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Dramatisch: mindestens hundert Menschen - Männer und Frauen - wurden bei solchen Angriffen getötet.

Zur Herkunft der Täter machten lediglich zehn Bundesländer Angaben: 60,4 Prozent der Tatverdächtigen hatten die deutsche Staatsbürgerschaft. 39,6 Prozent waren nichtdeutsche Staatsbürger. 17,4 Prozent stammten aus den Reihen Zugewanderter.

Psychische Störungen bei Tätern nicht erfasst

Bundeseinheitliche Zahlen zu Messerangriffen in Deutschland liegen offiziell noch immer nicht vor - obwohl ihre Erfassung in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) im Juni 2018 auf der Innenministerkonferenz "ab 01.01.2020" beschlossen wurde - aufgrund "zu beobachtender Anstiege von Straftaten unter Verwendung des Tatmittels 'Messer'", wie es in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 heißt.

Nicht erfasst würden, mit einer Ausnahme, von den Bundesländern psychische Störungen bei den Tätern.

Messerangriffe sind wie folgt definiert: "Messerangriffe im Sinne der Erfassung von Straftaten in der PKS sind solche Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird. Das bloße Mitführen eines Messers reicht hingegen für eine Erfassung als Messerangriff nicht aus."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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