Gewalt wie in Neonazi-Film: Jugendliche misshandeln Obdachlosen und filmen es
Torgau - Schock für die Menschen in Torgau: Jugendliche sollen in der sächsischen Stadt einen obdachlosen, geistig beeinträchtigten Mann (37) angegriffen und brutal misshandelt haben. Damit nicht genug, filmten sie auch noch die Tat und verbreiteten die Videos selbst. Zwei der mutmaßlichen Täter (14, 17) sitzen inzwischen in U-Haft.
"Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen acht Beschuldigte im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren", erklärte Staatsanwältin Vanessa Fink auf Anfrage von TAG24. Bei allen acht soll es sich um Deutsche handeln. Eine von ihnen ist weiblich.
Die Tat hatte sich demnach am 27. April, gegen 20.15 Uhr, auf dem Gelände der Landesgartenschau in Torgau zugetragen. Einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" zufolge sollen die mutmaßlichen Täter ihr Opfer zu einem Skatepark gelockt haben. Dort kam es schließlich zu dem Angriff.
Die Jugendlichen sollen den Mann zu Boden gebracht, dann mit Tritten auf ihn eingewirkt haben. Schlimmer noch: Wie im Film "American History X" sollen sie ihr Opfer anschließend zum sogenannten "Randsteinbeißen" genötigt haben. Der 37-Jährige musste demnach seinen Mund öffnen und auf eine Kante beißen.
Im Film ermordet der von US-Schauspieler Edward Norton (56) verkörperte Neonazi Derek Vinyard auf diese Weise einen Afroamerikaner, indem er ihm anschließend einen Tritt gibt.
Teenager verbreiteten Videos in den sozialen Netzwerken
Staatsanwältin Fink zufolge ließen die mutmaßlichen Täter im tatsächlichen Fall schließlich von selbst von ihrem Opfer ab. Der Obdachlose erlitt zahlreiche Verletzungen. Er soll jedoch noch am selben Tag aus dem Krankenhaus entlassen worden sein.
Videos der brutalen Attacke sollen die Teenager derweil selbstständig in den sozialen Netzwerken verbreitet haben, offenbar, um sich damit vor ihren Freunden zu brüsten.
Drei Tage nach der Tat, am 30. April, erließ ein Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen zwei der Jugendlichen im Alter von 14 und 17 Jahren. "Sie befinden sich seitdem in Untersuchungshaft in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen."
Die Ermittlungen in dem Fall sowie zu den Hintergründen dauern an.
Titelfoto: photonaatoy/123RF

