Neue Studie offenbart: Im Rhein schwimmt tonnenweise mehr Müll als gedacht

Von Christoph Driessen

Köln - Aus einer brandneuen Studie geht hervor: Im Rhein schwimmt viel mehr Müll als bisher gedacht!

In der Müllfalle "Rheinkrake" wird ein Großteil des Mülls im Rhein aufgefangen.  © Leandra Hamann/Universität Bonn/dpa

Demnach treiben jedes Jahr zwischen 3000 und 4700 Tonnen Müll - und damit deutlich mehr als in früheren Berechnungen - von mindestens einem Zentimeter Länge an Köln vorbei.

Das schreiben Forschende der Universitäten Bonn und Tübingen im Fachmagazin "Communications Sustainability". Es gehe dabei um 53.000 Müllteile pro Tag, teilte Studienleiterin Leandra Hamann auf Anfrage der dpa mit.

Der meiste Abfall in den Meeren komme über Flüsse dorthin, erläuterte die Biologin. Doch Studien, in denen der Müll entnommen und einzeln vermessen werde, gebe es bisher kaum. Die jetzt in Köln vorgenommene Langzeituntersuchung sei besonders aufwendig gewesen.

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Im Laufe eines Jahres wurden mit der Müllfalle "RheinKrake" 17.523 Abfallstücke mit einer geschätzten Gesamtmasse von 1955 Kilogramm aufgefangen. Etwa 70 Prozent der einzelnen Teile bestanden aus Kunststoffen, die allerdings nur 15 Prozent des Gewichts ausmachten.

Mehr als die Hälfte aller gefundenen Objekte stammten von privaten Verbrauchern, etwa 28 Prozent davon hatten mit Lebensmitteln oder Getränken zu tun.

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Auch Sexspielzeug unter Müll im Rhein

Der Fluss soll offenbar viel vermüllter sein als bisher angenommen.  © Martin Gerten/dpa

"Überraschend fand ich einerseits das reine Volumen, dass es wirklich so viel Müll ist, und dann aber andererseits auch, dass die Müllmenge übers Jahr hinweg stark schwankt", sagte Hamann.

Die Studie bezieht sich auf die zwölf Monate zwischen November 2022 und November 2023. Etwa zehn Prozent aller in dieser Zeit aus dem Fluss gefischten Gegenstände waren Feuerwerkskörper.

"Wenn man sich klarmacht, dass das nur an einem einzigen Tag abgefeuert wird, dann ist das schon der Wahnsinn", so Hamann. Daneben finde sich wirklich alles: von Kinderspielzeug bis Sexspielzeug. "Wir haben auch schon mal ein Portemonnaie mit mehreren Personalausweisen gefunden und aufs Fundbüro gebracht."

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Weinflaschen, Sektflaschen und Flaschendeckel machen einen großen Teil des Treibguts aus, teilweise auch Pfandflaschen. "Da ist also noch Luft nach oben", sagte Hamann.

"Man könnte das Pfand erhöhen, sodass die Motivation höher ist, die leer getrunkene Flasche eben nicht am Ufer liegenzulassen."

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