Köln - Tausende Gegenstände, alle penibel sortiert und katalogisiert, etliche Rucksäcke und Handtaschen, unzählige Regenschirme und Hunderte Fahrräder, die an Haken von der Decke hängen: Das Fundbüro der Stadt Köln ist eine wahre Schatzgrube.
Unter anderem finden sich hier auch zahlreiche Rollstühle. "Es kann etwa passieren, dass die Krankentransportdienste die Leute einladen und einfach wegfahren. Schwupp, ist der verloren", vermutet Silke Heckmann, Sachgebietsleiterin vom Ordnungsamt und damit verantwortlich für das Fundbüro in der neuen Folge des Podcasts "INSIDE Stadt Köln".
Doch die Rollstühle sind noch lange nicht das Kurioseste, das hier jemals abgeliefert wurde. "Vor ein paar Monaten ist ein Grabstein bei uns abgegeben worden und der liegt jetzt da", berichtet Fundbüro-Leiterin Selma Sacco.
Woher der mysteriöse Stein kommt, weiß allerdings niemand. Zwar ist darauf ein Name verzeichnet, doch die Kölner Friedhofsverwaltung konnte damit nichts anfangen. Entsprechend liegt der Grabstein im Lager des Fundbüros und wartet darauf, abgeholt zu werden.
"Das ist eigentlich das Kurioseste, was hier angekommen ist. Wer denkt denn schon an einen Grabstein und wer macht sich die Mühe, das zur Polizei zu bringen? Das ist ja Granit, das ist ja auch schwer", so Sacco.
Rein größentechnisch muss der Grabstein aber zurückstecken. Im Keller der Annahmestelle lagern nach wie vor zwei Kanus. Und es geht sogar noch größer: "Wir sollten mal einen vier Tonnen schweren Anker annehmen", erinnert sich die Fundbüro-Leiterin. Das habe man aber verweigert.
Diese Gegenstände werden am häufigsten im Kölner Fundbüro abgegeben
Im Alltag werden allerdings am häufigsten ganz normale Gegenstände wie Portemonnaies, Schlüssel und Handys abgegeben. Die werden dann von den insgesamt elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern penibel sortiert und kategorisiert, um den Überblick nicht zu verlieren.
In einem eigenen Tresorraum lagern dabei die wirklich wertvollen Dinge wie Schmuck und Luxusuhren. Bargeld findet sich hier aber nicht. Das wird nämlich nicht im Fundbüro gelagert, sondern auf ein Konto überwiesen und den Eigentümern nach erfolgreicher Übergabe ihrer Geldbörsen zurückerstattet.
So entstanden die Fundbüros
Dass es überhaupt eine Möglichkeit gibt, geht wohl auf die zunehmende Urbanisierung am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.
Damals waren die Menschen zum einen nicht mehr so gut untereinander vernetzt wie in dörflichen Strukturen. Fundsachen konnten dadurch nicht mehr so einfach ihren Besitzern zugeordnet werden, schlicht, weil man diese kannte.
Zum anderen pendelten immer mehr Arbeiter per Eisenbahn zwischen ihrem Wohn- und Arbeitsplatz und in dem dichten Gedränge gingen zunehmend mehr Gegenstände verloren. Die ersten offiziellen Annahmestellen für Fundsachen wurden daher direkt an Bahnhöfen eröffnet.
Im Jahr 1900 folgte dann der offizielle Startschuss für Fundbüros mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und der damit einhergehenden reichsweiten Vereinheitlichung des Fundrechts.