Leipzig - Sie haben bereits Kameras installiert und sich mit Pfefferspray und Schlagstöcken ausgerüstet: Seit sie vor einem Jahr in ihr nagelneues Zuhause eingezogen sind, wurden die Mieter des Wohnkomplexes an der Ecke Karl-Winkler-Straße und Müllerring in Leipzig-Lindenthal bereits 17-mal von Einbrechern heimgesucht! Mehr als 50.000 Euro Schaden sollen die Täter bereits verursacht haben. Die Anwohner fühlen sich mit ihren Problemen alleingelassen.
"Sie haben alles geklaut, was sie schnell zu Geld machen können: Meine Spielekonsole, ein Stand-Up-Paddle-Board, Rucksäcke, Schuhe", erklärt Jan Bauer*, während er TAG24 zeigt, wie die Einbrecher in sein Kellerabteil eingedrungen sind. "Auch Fahrräder haben sie schon geklaut. Die Bügel im Fahrradkeller haben sie dazu einfach mit einer Flex aufgesägt."
Bauer ist einer von zahlreichen Mietern des Wohnblocks an der Ecke Karl-Winkler-Straße und Mülllerring, die im vergangenen Jahr Opfer von Einbrüchen geworden sind.
Der Wohnkomplex mit Innenhof und Tiefgarage ist ein Neubau, den die Vonovia erst kürzlich errichten ließ. Die ersten Mieter konnten Bauer zufolge im Januar 2025 einziehen. "Wir sind im April eingezogen. Seitdem gab es, glaube ich, acht Einbrüche."
Tatsächlich liegt die Zahl jedoch mehr als doppelt so hoch. Wie Polizeisprecher Tom Erik Richter auf Anfrage von TAG24 mitteilte, wurden der Behörde mindestens 16 Fälle des besonders schweren Diebstahls sowie ein Fall des räuberischen Diebstahls im Bereich Karl-Winkler-Straße und Müllerring mitgeteilt. "Die Taten fanden im letzten Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten, verstärkt jedoch in den Monaten Juli (4 Fälle) und August (3 Fälle) statt", so der Polizeisprecher.
Aus Angst vor weiteren Taten haben sich Bauer und seine Nachbarn inzwischen mit Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstet. In den Kellern ihres Zuhauses, in die die Einbrecher immer wieder eindrangen, haben sie Kameras sowie eine Alarmanlage installiert.
Anwohner erwischen Einbrecher, Polizei nimmt 33-Jährige fest
Die Lage eskalierte ausgerechnet in der Nacht zu Nikolaus am 6. Dezember, als die Alarmanlage auslöste und Jan Bauer auf seinem Smartphone plötzlich vier Einbrecher zu Gesicht bekam, die gerade den Fahrradkeller nach frischer Beute absuchten. Zusammen mit seinem Nachbar Martin Bukowski* rief er die Polizei, dann eilten beide in den Keller.
Als sie die Bande erwischten, hatte diese sich bereits Zugang zu einem weiteren Kellerabteil verschafft. Als sie flüchten wollten, bekam Bauer zwei von ihnen zu greifen. Bukowski wurde derweil jedoch von einem der Täter zu Boden geworfen. "Daraufhin bin ich ihm zu Hilfe geeilt und musste einen der beiden loslassen."
Drei Langfinger flüchteten, eine 33-Jährige konnte das mutige Duo jedoch festhalten, bis die Polizei eintraf. Bei ihrer Überprüfung stellten die Beamten nicht nur Betäubungsmittel, sondern auch ein Messer fest, wie es später im Bericht dazu hieß.
Die Ermittlungen gegen die Frau wegen räuberischen Diebstahls laufen. Laut Polizeisprecher Richter droht ihr eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr.
"Die Leute haben Angst. Wir verstehen das Verhalten der Vonovia nicht", so Bukowski
Die Wut der Anwohner richtet sich derweil gegen die Vonovia. Bauer, Bukowski und ihre Nachbarn fühlen sich von ihrer Hausverwaltung im Stich gelassen. "Die Leute haben Angst. Wir verstehen das Verhalten der Vonovia nicht", so Bukowski.
Auf die Hilferufe seitens der Mieter habe das Unternehmen zunächst nicht reagiert. Erst, als die Lage eskaliert war, seien Schritte eingeleitet worden. "Wie im Dezember kommuniziert, haben meine Kolleginnen und Kollegen in der Karl-Winkler-Straße vor dem Hintergrund der Einbrüche eine Reihe von Maßnahmen gestartet, um die Sicherheitssituation noch weiter zu verbessern", erklärte Vonovia-Pressesprecher Matthias Wulff auf Anfrage von TAG24.
Der Immobilienriese habe in der gesamten Tiefgarage eine Videoüberwachung eingerichtet. Die Anlage werde von einem Sicherheitsdienst bestreift.
Im Dezember sollten zudem unter anderem Obertürschließer an allen Hauseingängen installiert sowie die Türklinken zu den Keller- und Fahrradräumen durch Knaufe ersetzt werden.
Maßnahmen inzwischen in der Fertigstellung?
Dem Pressesprecher zufolge sollen sich die Maßnahmen inzwischen in der Fertigstellung befinden. "In Fertigstellung ist hier noch gar nichts!", erklärten die Anwohner darauf. "Mit den Arbeiten wurde gestern (Dienstag, Anm. d. Red.) begonnen. Türschließer am Hauseingang, mehr noch nicht!"
"Wir möchten, dass unsere Mieterinnen und Mietern sicher und ungestört bei uns Wohnen können", betonte Matthias Wulff. Der Pressesprecher bemerkte jedoch auch: "Es ist gleichwohl so, dass Einbrüche eben leider geschehen."
Seit dem Einbruch im Dezember habe es zunächst keine Vorfälle mehr gegeben. Die Anwohner der Karl-Winkler-Straße sind weiterhin wachsam. Die Sorge vor weiteren Einbrüchen bleibt.
*Die Namen wurden auf Bitten der Anwohner durch die Redaktion geändert.