Leipzig - In jungen Jahren zählte Gisela Schöbel-Graß zu den besten Schwimmerinnen der Welt, ist mehrfache Weltrekord-Halterin. Die Leipziger Sport-Legende feierte jetzt ihren 100. Geburtstag. TAG24 durfte dabei sein.
Ihre gute Laune hat Gisela Schöbel-Graß weder in ihrem 100-jährigen Leben, noch am Sonntag verloren, als sie bei knapp 30 Grad unzählige Hände schüttelte und ebenso viele Glückwünsche entgegennahm.
Dass 100 Menschen, neben Familie und Freunden auch viele Wegbegleiter sowie Olympiateilnehmer Wolfram Sperling (73), in den rappelvollen Festsaal des Gohliser Gartenlokals "Schnitzel Liebe" kamen, "hat sich angeboten bei dieser 100", sagt die Jubilarin, deren Geschenketisch sich schnell mit bunten Blumensträußen und auch der ein oder anderen Sekt- oder Eierlikörflasche füllte.
Mit der Ernennung zur Ehrenpräsidentin des Leipziger Stundenschwimmens wurde der 100-Jährigen zudem eine große Ehre zuteil.
"Nö, nö", Ziele habe sie keine mehr im Leben. Wieso auch, die Frohnatur hat so ziemlich alles erreicht, was man sich als Sportler vorstellen kann. Als erste Frau überhaupt gelang es ihr im Mai 1943, über 100 Meter Brust unter 1:20 Minuten zu bleiben - mit gerade einmal 16 Jahren! Ihr Weltrekord von 1:19,80 hielt bis Juli 1946.
Ihr sogar noch unterbotener Weltrekord von 1:19,30 Minuten aus dem April 1944 wurde aufgrund des Krieges des Deutschen Reichs und dadurch fehlender internationalen Kontrollen nicht offiziell anerkannt.
Erfolge und Rekorde, aber der Zweite Weltkrieg verhinderte den internationalen Durchbruch
Besonders bemerkenswert: Trotz erschwerter Trainingsbedingungen, die weit weg von Professionalismus waren und mangelhafter Ernährung zur damaligen Zeit, konnte Schöbel-Graß ihren Status als teils unangefochtene Spitzensportlerin erhalten.
Wegen der Kriegsführung in den 1940er-Jahren blieb es Gisela Schöbel-Graß allerdings verwehrt, sich nicht nur deutschland-, sondern auch europa- oder weltweit einen noch größeren Namen zu machen.
Die ausgefallenen Schwimm-Europameisterschaften 1939 bis 1948, die abgesagten Olympischen Sommerspiele 1944 - an allen Wettkämpfen konnte das Schwimm-Ass in der Blütezeit ihrer Karriere wegen des Zweiten Weltkrieges nicht teilnehmen.
Olympia 1948 wäre für die heute 100-Jährige zwar möglich gewesen, doch deutsche Sportler wurden ausgeschlossen. Und schon vor Olympia 1952 hatte sie ihre tolle Karriere beendet. Doch auch als Seniorensportlerin konnte die Jubilarin deutsche und europäische Rekorde aufstellen.
"Gesund bleiben", das ist Giselas größter Wunsch. Und vor allem Tochter Gudrun, bei der die Seniorin lebt, reiße sich "von früh bis spät den Arm für mich aus", ist sie dankbar. Freude schenken der zweifachen Mutter aber auch ihre acht Enkel und sechs Urenkel.
Und wie sieht es mit einem Erfolgsrezept aus, dass man die magische Schallmauer von 100 Lebensjahren erreicht, Frau Schöbel-Graß? "Das gibt's nicht. Entweder man wird 100 oder eben nicht."