Diensthund misshandelt: Polizistin setzte verbotene Schlagwaffe ein

Leipzig - Bei dem eskalierten Hundeführer-Lehrgang der Polizei in Leipzig ist gegenüber dem Tier eine verbotene Schlagwaffe eingesetzt worden. Das umstrittene Training fand unter Aufsicht des Hunde-Chefausbilders der Polizei Chemnitz statt, der als Sachsens erfolgreichster Polizeihundesportler gilt. Noch während der Ermittlungen wegen des Verdachts der Tierquälerei wurde Michael L. (47) befördert.

Nach dem Gewinn des Pokals der Diensthundestaffeln 2018 posiert der Chemnitzer Chefausbilder Michael L. (47) mit seinem Hund Mylo (6) vor der Kamera.
Nach dem Gewinn des Pokals der Diensthundestaffeln 2018 posiert der Chemnitzer Chefausbilder Michael L. (47) mit seinem Hund Mylo (6) vor der Kamera.  © Harry Haertel

Er ist in dem Video nicht zu sehen, aber zu hören: "Mach druff jetzt auf das Vieh", schreit Polizeihauptmeister Michael L. seine Leipziger Kollegin an. Mit einer Gerte schlägt die Hundeführerin daraufhin auf den Malinois (Belgischer Schäferhund) ein (TAG24 berichtete).

Wie TAG24 von einem mit der sächsischen Diensthundeausbildung vertrauten Polizeiführer erfuhr, hätte eine solche Gerte niemals beim Hundetraining eingesetzt werden dürfen. "Erlaubt sind nur Softsticks", sagte der Beamte. Zudem hätte die Hundeführerin den internen Vorschriften zufolge ihr Tier niemals schlagen dürfen, um es zu disziplinieren.

Dass Trainer Michael L. das nicht gewusst hat, ist eher unwahrscheinlich. Der Beamte ist Fachwart und langjähriger Chefausbilder der Chemnitzer Hundestaffel. Und eine Größe im Polizeihundesport, wo er regelmäßig erste Plätze belegt und Pokale einheimst.

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Zu seinen Fans zählt auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (50, CDU), der 2018 in der Polizeihundeschule Naustadt einer Vorführung des Beamten beiwohnte.

Kein Disziplinarverfahren, dafür eine Beförderung

Im August 2018 präsentierte der wegen seiner harten Trainingsmethoden umstrittene Diensthundetrainer Michael L. in der Polizeihundeschule Naustadt Innenminister Roland Wöller (50, CDU) sein Können.
Im August 2018 präsentierte der wegen seiner harten Trainingsmethoden umstrittene Diensthundetrainer Michael L. in der Polizeihundeschule Naustadt Innenminister Roland Wöller (50, CDU) sein Können.  © Steffen Füssel

Intern gilt Michael L. selbst als "harter Hund", der nach Aussagen von Kollegen bei den Tieren "härter zupackt" als andere Hundetrainer.

Merkwürdig: Obwohl nach dem eskalierten Lehrgang in Leipzig die Staatsanwaltschaft gegen L. wegen des Verdachts der Tierquälerei ermittelte, wurde nach Angaben der Polizeidirektion Chemnitz kein Disziplinarverfahren gegen den Beamten eingeleitet.

Stattdessen erhielt Michael L. wenige Monate nach dem umstrittenen Lehrgang in Leipzig nach Aussagen von Kollegen noch während der laufenden und erst am Donnerstag eingestellten Ermittlungen eine Beförderung (Besoldungsgruppe A9Z). Auf Anfrage wollte sich die Polizei Chemnitz nicht zur Beförderung des Beamten äußern.

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In Leipzig ließ sich Polizeipräsident Torsten Schultze (56) hingegen seine Abscheu deutlich anmerken. Das Video der auf den Hund einprügelnden Beamten hätten nicht nur Hundefreunde verstörend gefunden, ließ Schultze erklären. Diese Ausbildungsmethode habe er in seiner Polizeidirektion daher umgehend untersagt und eine dienstrechtliche Prüfung einleitet.

Den Angaben zufolge geht es dem misshandelten Malinois wieder gut und er habe seine Schutzhundeprüfung zwischenzeitlich mit dem Prädikat "sehr gut" abgeschlossen. Aktuell ist er als Sprengstoffsuchhund und Schutzhund im Einsatz.

Titelfoto: Harry Haertel

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