Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser im TAG24-Interview: Braucht der Osten eine Sonderrolle?
Leipzig - Beim Debattencamp der SPD am Wochenende in Leipzig ging es unter dem Titel "Sachsen 2040" um nichts weniger als die Zukunft. Aus der Bundespolitik war auch die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland zugegen. Mit Elisabeth Kaiser (39) sprach TAG24.
TAG24: Frau Kaiser, ist eine Sonderrolle für den Osten heute noch gerechtfertigt?
Elisabeth Kaiser: Ich glaube, wir haben eigentlich gar keine Sonderrolle wie direkt nach der Wiedervereinigung oder in den 2000er Jahren mehr.
Was wir haben, sind Themen in Ostdeutschland, die wir adressieren müssen, wenn wir überall in Deutschland gleich gut leben wollen. Und wir haben unterschiedliche Perspektiven.
Aber das ist in einer pluralistischen Gesellschaft auch gut so.
TAG24: Wenn es diese Sonderrolle gar nicht mehr gibt, braucht es dann eine Beauftragte für Ostdeutschland überhaupt noch?
Kaiser: Ja, und zwar so lange wie die verschiedenen Perspektiven nicht wahrgenommen werden.
Solange wir große strukturelle Unterschiede sehen - bei Löhnen, Einkommen, Vermögen und Eigentum, beim Empfang von Sozialleistungen und der gesetzlichen Rente, bei den wirtschaftlichen Strukturen. Auch der demografische Wandel trifft den Osten stärker. Bei uns kommen einfach noch viel weniger Kinder nach als im Westen.
Und damit ist der Anteil der Älteren relativ noch größer. Ich glaube aber, wenn man Lösungen für die Herausforderungen im Osten findet, entwickelt man genauso Lösungen für Westdeutschland.
"Jobs, von denen die Ostdeutschen leben können, sind das wichtigste"
TAG24: Die Lösung welches Problems würde den Osten denn am ehesten voranbringen?
Kaiser: Die Sicherung unserer mühsam erkämpften und mehrheitlich noch gut bezahlten Industriearbeitsplätze etwa in der Chemie- und Automobilindustrie, aber auch unsere besonders auf dem Land so wichtigen Mittelständler wie im Handwerk.
Jobs, von denen die Ostdeutschen leben können, sind das wichtigste. Wenn wir es mehr schaffen, viele der klugen Ideen für neue Produkte, die an unseren hochinnovativen Universitäten und Hochschulen entstehen, in die Unternehmen zu bekommen, würde das zu mehr Produktivität verhelfen.
Und dann entstehen auch neue gute Jobs, wie wir sie in der Halbleiterindustrie oder im Bereich der Erneuerbaren Energien häufig schon haben. Dann verbessern sich die Perspektiven für unsere ostdeutsche Heimat auch insgesamt.
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

