Jinjer reißen Leipzigs Felsenkeller ab: Die Zukunft des Metal ist weiblich!

Leipzig - Frauen als Sängerinnen in Metalbands wurden lange Zeit marginalisiert. Zu sehr war die Szene von Männern dominiert. Mit Bands wie Spiritbox, Pest Control und Ingested feiert das weibliche Geschlecht seit einigen Jahren jedoch regelrechten Siegeszug innerhalb des Genres. Eine der Vorreiter dieser Bewegung, die Ukrainer von Jinjer, waren am Freitag zu Gast im Leipziger Felsenkeller - und zeigten dort eindrucksvoll: Die Zukunft des Metal ist weiblich.

Die ukrainische Metalband Jinjer zeigte am Freitag im Leipziger Felsenkeller, was sie drauf hat.  © Lutz Brose

Anders lässt es sich zumindest kaum beschreiben, wenn man sieht, mit welcher Leichtigkeit Frontfrau Tatiana Shmayluk (38) das Publikum aus beinharten Kuttenträgern im Griff hat.

Seit ihrem Durchbruch hierzulande mit dem Album "Macro" 2019 scheint die Band nahezu ununterbrochen unterwegs zu sein. Die Bühnenerfahrung macht sich bezahlt: Nicht nur die Menge hat das Quartett fest unter Kontrolle, auch musikalisch sitzt die Gruppe fest im Sattel.

Der vertrackte Genre-Mix, der von Death Metal bis Hip Hop reicht und dabei immer wieder Elemente aus ihrer Heimat aufgreift, verlangt dabei sowohl von den Musikern als auch dem Zuhörer einiges ab. Die Fans vor der Bühne lassen sich davon jedoch nichts anmerken. Im Gegenteil: Hits wie "I Speak Astronomy" und "Judgement (& Punishment)" werden ausgiebig gefeiert und beim Über-Song "Pisces" singen die Fans ausgiebig mit.

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Im Auge des Sturms dabei immer wieder: Tatiana Shmayluk, die mühelos zwischen gutturalem Gebrüll und beinahe schon ätherischem Gesang wechselt.

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Die Sängerin Tatiana Shmayluk (38) hat sich seit der Gründung der Band zu einer Leitfigur innerhalb des Metal entwickelt.  © Lutz Brose
Nicht ohne Grund, denn die Frontfrau zeigte, dass sie von gutturalem Gebrüll bis beinahe schon ätherischem Gesang eine große Bandbreite beherrscht.  © Lutz Brose

"Jinjer" auf Erfolgskurs, doch damit kommt auch der Neid

Die Fans waren begeistert.  © Lutz Brose

Seit der Gründung von Jinjer 2009 im ukrainischen Donezk hat sich Tatiana Shmayluk zu einer Leitfigur innerhalb des Metal entwickelt.

Mit dem Erfolg kommt jedoch auch der Neid und so werden Shmayluk und andere talentierte Frontfrauen auch mit Ablehnung bis hin zum Hass konfrontiert. Von "Slutcore" (Deutsch so viel wie "Schlampen-Metal") ist online inzwischen abfällig zu lesen.

Viele "traditionelle Metalheads" beklagen, dass der Erfolg von Bands wie "Jinjer" oder auch "Spiritbox" nur daher stamme, dass sie Frauen als führende Figuren haben. Das Talent wird ihnen abgesprochen. Toxische Männlichkeit und ein Wunsch nach der Unterdrückung von Frauen stoßen so auch im Metal auf fruchtbaren Boden.

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Fakt ist jedoch, dass gerade Bands wie "Jinjer" den Metal aktuell vorantreiben wie kaum ein anderer Genrevertreter, indem sie Gepflogenheiten hinter sich lassen und keine Scheu davor haben, neue Wege zu gehen. Oftmals fühlt man sich dann an die Hochzeiten von Bands wie "System of A Down" erinnert, wenn neben knüppelharten Riffs plötzlich volkstümliche Melodien durch die Lautsprecher hallen.

Im Leipziger Felsenkeller war am Freitag von dieser Ablehnung nichts zu spüren. Fast eineinhalb Stunden lang feierten die Fans ausgiebig mit Tatiana Shmayluk und ihren Mannen. Bleibt zu hoffen, dass "Jinjer" sich nicht von ein paar Ewiggestrigen im Internet beeindrucken lassen und weiterhin ihren Weg gehen, denn die Zukunft des Metal ist - wie für alle von uns - definitiv weiblich.

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