Leipzig - Mit "Original Pirate Material" schuf "The Streets" im Jahr 2002 eines der einflussreichsten britischen Alben des neuen Jahrtausends. Wie aktuell die ungeschönten Alltagsgeschichten auch weit über 20 Jahre nach dem Debüt sind, bewies das Projekt um Mastermind Mike Skinner (47) am Montagabend in Leipzig: Vor der Kulisse einer tristen Bushaltestelle inszenierte er mit seiner Band zunächst die kleinen und großen Dramen des Alltags.
Skinner betrat die Bühne, lässig im schwarzen Streetwear-Look und einem Drink in der Hand. Im ersten Teil des Abends verzichtete der 47-Jährige bei der "A Grand Don't Come For Free"-Tour auf Ansagen und inszenierte das gleichnamige Konzeptalbum (2004) vor der Kulisse eines britischen Bushäuschens, dessen Abbild das Cover der Platz-1-Platte ziert.
Mit der Show lässt Skinner das Publikum zunächst an einer zusammenhängenden Geschichte eines jungen Briten teilhaben, der viel Geld verliert, sich verliebt, dem Exzess hingibt und betrogen wird. Dabei fühlt sich das Ganze so an, als würde einem ein guter Freund an der Bar bei einem Bier das Herz ausschütten.
Dass der Protagonist dabei zu Beginn "Monday Peaceful Revolution" an die Fassade der Bushaltestelle malte, war wohl als respektvolle Hommage an die Leipziger Montagsdemos gemeint, wirkte aber auch ein wenig, als hätte jemand im Tourbus auf die Schnelle noch die ersten Absätze des Leipziger Wikipedia-Artikels gelesen.
Das Publikum vor der Parkbühne reagierte auf den ersten Teil der Show zunächst noch etwas zurückhaltend, wenn auch dankbar und unterstützend. Lediglich bei den großen Hits "Dry Your Eyes" und "Fit But You Know It" wurde gefeiert.
Dann folgt der Bruch und die Party beginnt
Nach einer kurzen, aber drastischen Pause folgte dann die Verwandlung.
Sofort wurde klar, dass das Theater vorbei ist und nun der ausgelassene Teil des Abends beginnt. Dafür brach Skinner aus seiner Rolle aus und mutierte innerhalb weniger Augenblicke zum Zeremonienmeister, der der Menge ordentlich einheizte.
Auch musikalisch erfolgte jetzt der Bruch hin zu eher elektronisch treibenden Uptempo-Beats, teils Drum and Bass und Indie-Elementen.
Immer im Fokus dabei: Skinners rasanter und präziser Spoken-Word-Rap.
Insgesamt lässt sich sagen, dass ein Konzert von The Streets auch im Jahr 2026 weitaus mehr ist, als eine reine Nostalgie-Veranstaltung. Mit der zweiteiligen Show schaffte Mike Skinner mit seiner Band den Spagat zwischen konzeptioneller Kunst und Kontrollverlust.