Protest im Landkreis Leipzig: Kies-Tagebau soll durch Naturschutz-Gebiet führen

Leisenau - Der Kiesabbau in Leisenau im Landkreis Leipzig hat eine langjährige Geschichte, im Süden der Ortschaft befindet sich eine 90 Hektar große Sandgrube. Doch diese soll nun erweitert werden - zum Entsetzen vieler Anwohner.

Die "alte" Kiesgrube südlich von Leisenau soll um 71 Hektar erweitert werden. Das stößt bei den Anwohnern auf Unmut.
Die "alte" Kiesgrube südlich von Leisenau soll um 71 Hektar erweitert werden. Das stößt bei den Anwohnern auf Unmut.  © News5 / Grube

Um das Vorhaben zu unterbinden, hat sich inzwischen die Bürgerinitiative "Kein Tagebau zwischen Schönbach und Leisenau!" gebildet.

"Eine neue Sandgrube - circa 53 Fussballfelder groß - soll entstehen, in welcher für die nächsten 22 Jahre werktags und teilweise auch samstags Kies und Sand abgebaut werden soll", heißt es auf der Website der Initiative. Der geplante Tagebau soll aus einem Nord- und einem Südfeld bestehen.

Daniel Legler, der den Tagebau bisher nur "im Rücken liegend" mitbekam, wohnt südlich von Leisenau in einem Naturschutzgebiet und macht sich Sorgen um seinen beschaulichen Wohnort.

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"Wir haben Angst die ruhige Oase nicht mehr genießen zu können", erzählt Legler, der im vergangenen Jahr durch Zufall auf das denkmalgeschützte Gebäude gestoßen war und sich sofort verliebt hatte: "Das Schlimmste wäre, die Immobilie wieder aufgeben zu müssen".

Von den Plänen der neuen Kiesgrube habe er erst erfahren, als die Bürgerinitiative ihn angesprochen hatte - vonseiten der Stadt habe es weder eine Vorankündigung, noch eine Info-Veranstaltung gegeben: "Wir wurden stillschweigend überrascht".

Daniel Legler wohnt in dem Naturschutzgebiet, das bald Standort einer neuen Kiesgrube werden soll. Er sorgt sich um seine "ruhige Oase".
Daniel Legler wohnt in dem Naturschutzgebiet, das bald Standort einer neuen Kiesgrube werden soll. Er sorgt sich um seine "ruhige Oase".  © News5 / Grube

Bürger wollen "neue Wege gehen", Bürgermeister will "weiter denken"

In Colditz und Umgebung hat sich eine Bürgerinitiative zusammengefunden, die gegen die Erweiterung des Tagebaus protestieren.
In Colditz und Umgebung hat sich eine Bürgerinitiative zusammengefunden, die gegen die Erweiterung des Tagebaus protestieren.  © News5 / Grube

Robert Zillmann, der Bürgermeister der Stadt Colditz, kann die negativen Reaktionen der Anwohner zwar nachvollziehen, aus Sicht der Stadt müsse man jedoch trotzdem "weiter denken".

Die alte Kiesgrube sei nach jahrzehntelanger Nutzung ausgeschöpft, hier sei kein Kies mehr abbaubar. "Zwei Firmen haben sich angesiedelt, die leben von Rohstoffen wie Kies", so Zillmann. Es sei eine Priorität, die Anstellung der mehr als 100 Arbeiter weiterhin zu sichern.

Auch die Sorge um die Zerstörung der dortigen Natur möchte Zillmann zerstreuen. In die Flora und Fauna des Naturschutzgebiets soll nur so wenig wie möglich eingegriffen werden, auch das Grundwasser wird unberührt bleiben.

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Doch die Bürger halten an ihrer Position fest, ihre Online-Petition gegen den erweiterten Tagebau hat inzwischen fast 600 Unterschriften erreicht. Sie befürchten einen Verlust der Lebensqualität, eine Zerstörung des Landschaftsbilds.

"Arbeit ist wichtig und richtig", merkt Wolfram Hunger von der Initiative an. Dennoch sieht er eine Problematik darin, zugunsten der Arbeit "etwas kaputtzumachen". Heutzutage werde Natur- und Klimaschutz immer mehr in den Fokus gerückt - ein solches Umdenken wünschen sich die Bürger auch für den Tagebau vor Ort: "Wieso sollte man nicht jetzt schon darüber nachdenken neue Wege zu gehen?"

Ein Hoffnungsschimmer? Stadtrat entscheidet sich gegen das Vorhaben

In einer öffentlichen Sitzung am gestrigen Donnerstag entschied sich der Stadtrat gegen die Pläne für den neuen Kiessandtagebau. In einer Stellungnahme wies der Stadtrat darauf hin, dass eine "Renaturierung und Wiedernutzbarmachung der ausgekiesten Flächen" erfolgen muss - das heißt, während auf dem Nordfeld abgebaut wird, muss parallel auf dem Südfeld die Natur rekultiviert werden.

Außerdem soll dafür gesorgt werden, dass die vom Tagebau produzierte Geräuschkulisse und der Staub eingedämmt werden, sodass sich die Anwohner nicht gestört fühlen. Dies muss monatlich überprüft werden.

Auch die bisher geplanten Vorkehrungen zur Vermeidung von Bodenerosionen und Erdrutschen sind in den Augen des Stadtrats nicht ausreichend: "Der Kiessandtagebau ist so zu sichern, dass ein Überfluten bzw. Volllaufen der aufgeschlossenen Kiesgrube und somit das Unterspülen und Aushöhlen der Böschungskanten und Dämme verhindert werden".

Obgleich die Bürgerinitiative diese Stellungnahme durchaus als kleinen Erfolg verbuchen kann, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Die finale Entscheidung liegt beim Oberbergamt Freiberg. Erst dann wird sich zeigen, ob die Bemühungen und Proteste Früchte getragen haben.

Titelfoto: Montage News5 / Grube

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