Leipzig - Große Produktionshallen, ein markanter Eckbau mit Türmchen: Die ehemalige Maschinenfabrik Philipp Swiderski im Leipziger Westen gehört sicherlich zu den meistbesuchten Lost Places der Stadt. Seit den 1990er Jahren ist das denkmalgeschützte Areal dem Verfall preisgegeben. Mehrfach hatte es dort gebrannt. Nun erwägt die Eigentümergesellschaft offenbar den vollständigen Abriss.
In einer gemeinsamen Stellungnahme fordert die Leipziger Denkmalstiftung zusammen mit anderen Initiativen jedoch den Erhalt der Maschinenbaufabrik.
"Das Fabrikgelände an der Markranstädter Straße, Ecke Zschochersche Straße, ist ein Unikat – nicht nur in Plagwitz, sondern in ganz Leipzig", heißt es dort.
Auch heute sei die ehemalige Maschinenfabrik ein Ort von großer Anziehungskraft für Fotografen, Stadtforscher und Geschichtsinteressierte. Ein Abriss dürfe unter keinen Umständen erfolgen.
Zugleich existierten seit Jahren "zahlreiche Ideen für eine Nutzung". Unterschiedliche Szenarien, von einer Mischung aus Produktion, Handel, Büro und Wohnen bis hin zu überwiegender Einzelhandelsnutzung, seien bereits in Betracht gezogen worden. Ein Architektenbüro habe sogar ein konkretes Nutzungskonzept erarbeitet.
"Die jüngsten Gespräche mündeten schließlich in der Ankündigung der Eigentümergesellschaft, den vor rund anderthalb Jahren gestoppten Abbruch erneut in Betracht zu ziehen – in der Hoffnung, durch eine vollständige Beräumung neue Optionen zu eröffnen", so die Leipziger Denkmalstiftung. "Demnach ist das Grundstück mehr wert als eine historische und als Kulturdenkmal eingetragene Fabrikanlage."
Ein zentraler Ort der Leipziger Industriegeschichte
Immer wieder hatte es in der Vergangenheit auf dem brachliegenden Gelände gebrannt. Erst im April letzten Jahres rückte die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an, weil das Dach einer Halle in Flammen stand.
Die leerstehenden Räume dienen zudem als Rückzugsort für wohnungslose Menschen.
Auch die Leipziger Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta (39, Grüne) sprach sich am Sonntag gegen einen möglichen Abriss aus: "Orte wie die Swiderski-Fabrik machen Leipzig zu Leipzig. Sie sind denkmalgeschützt. Wenn Eigentümer so lange verfallen lassen und Brände tolerieren, bis sie abreißen können, dann sind sie die falschen Eigentümer - davon haben wir in Leipzig zu viele."
1888 ließ der Unternehmer Philipp Swiderski die Fabrik für Dampfmaschinen, Buchdruckmaschinen und Lithografie-Pressen erbauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Verstaatlichung bis zur Stilllegung 1990.