Drei Wochen Krieg im Iran: Unternehmen in und um Leipzig drohen Personalabbau und Kostenexplosion

Leipzig/Halle (Saale)/Leuna - Der Iran-Krieg scheint kein schnelles Ende zu finden. Auch wenn die Kommunikation der US-Regierung über die Kriegsziele von Widersprüchen geprägt ist, könne der Einsatz laut US-Präsident Donald Trump (79) noch Wochen andauern. Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus ist an den Tankstellen weltweit bereits zu spüren. Auch Firmen aus Leipzig und Umgebung sind von den Folgen betroffen - manche mehr, manche weniger.

Unternehmen im Chemiepark Leuna erwarten im nächsten Quartal deutlich steigende Gaspreise. Auch viele Lieferketten sind durch die Eskalation im Nahen Osten ins Stocken geraten. (Archivfoto)
Unternehmen im Chemiepark Leuna erwarten im nächsten Quartal deutlich steigende Gaspreise. Auch viele Lieferketten sind durch die Eskalation im Nahen Osten ins Stocken geraten. (Archivfoto)  © Jan Woitas/dpa

Das Familien- und Kurierunternehmen Fox-Courier aus Leipzig leidet etwa unter den steigenden Dieselpreisen: "Treibstoff ist einer der wichtigsten Kostenfaktoren, die wir überhaupt haben", sagte Geschäftsführer Klaus-Dieter Bugiel der MDR-Umschau vom 17. März. "60 Prozent von den Gesamtkosten, die wir haben, sind Treibstoffkosten."

Der Volkswirt Professor Reint Grob, Präsident des Leipzig-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, erklärt: "Der Speditionsunternehmer, der den höheren Dieselpreis jetzt sofort zahlen muss, hat wenig Möglichkeit, sich abzusichern. Im Gegensatz zu einem Chemieunternehmen, das langfristige Lieferverträge hat."

Doch auch der Chemiepark in Leuna erwartet im nächsten Quartal trotz langfristiger Verträge deutliche Mehrkosten: Laut einer Prognose werden die Firmen am Standort im Jahr 2026 statt ursprünglich kalkulierter 120 Millionen Euro satte 200 Millionen Euro für Gas ausgeben müssen, ein Plus von 67 Prozent.

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"Das hat dazu geführt, dass es in allen Betrieben Sparprogramme gibt, dass an vielen Stellen auch Personal abgebaut wird", sagte Dr. Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna AG. "Das ist aktuell ein Umfeld, in dem große Investitionen nicht möglich sind, weil die Unsicherheiten sehr groß sind. […] Wir sind jedoch weiterhin ein Standort, der wächst und der wachsen wird."

Alternative Energien werden in der Krise zum Wirtschaftsfaktor

Das Unternehmen Verbio SE mit Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt) ist einer der führenden Hersteller von Bio-Ethanol, Bio-Methan und Bio-Diesel in Europa. (Archivfoto)
Das Unternehmen Verbio SE mit Sitz in Zörbig (Sachsen-Anhalt) ist einer der führenden Hersteller von Bio-Ethanol, Bio-Methan und Bio-Diesel in Europa. (Archivfoto)  © Christophe Gateau/dpa

Der Lebensmittelgroßhändler TransGourmet belieferte aus seinem Standort in Halle (Saale) Kunden in ganz Mitteldeutschland. Über 40 Fahrzeuge hat das Unternehmen dabei im Dauereinsatz. Die Hälfte der Lkw-Flotte wird dabei mit Biogas betankt.

"Die ursprüngliche Motivation, im großen Stil in Biogas zu investieren, ist tatsächlich Nachhaltigkeit", erklärt Niclas Heise, Logistikchef bei TransGourmet, dem MDR. "Zusätzlich haben wir jetzt natürlich den Effekt, dass wir von der Unabhängigkeit vom Erdöl profitieren, indem wir von den aktuellen Preissteigerungen weniger betroffen sind."

Das Biogas (CNG) in den Tanks des Unternehmens stammt dabei direkt aus der Region, geliefert vom ostdeutschen Unternehmen Verbio, einem der führenden Hersteller von Bio-Ethanol, Bio-Methan und Bio-Diesel in Europa.

"Vor vier Wochen hat hier an der Tankstelle das Gas genauso viel gekostet wie heute", sagt Verbio-Gründer Claus Sauter beim Blick auf die Preistafel. "Das ist stabil. Wir können diese Stabilität auch für einen längeren Zeitraum garantieren, was man ja bei fossilem Diesel nicht sagen kann." Bereits 43 Tankstellen betreibt das Unternehmen bundesweit.

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"Unsere Rohstoffe müssen nicht durch die Straße von Hormus", so Sauter weiter. "Sondern sie kommen aus der regionalen Landwirtschaft, aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Die aktuelle MDR-Umschau seht Ihr jederzeit auf Abruf in der MDR-Mediathek.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa

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