Erinnerungen an Fall aus Oschatz: Leipziger Obdachloser kampiert seit Wochen an Straßenbahn-Haltestelle

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Von Lutz Brose

Leipzig - Nachdem der Obdachlose Jens Kloß monatelang in Oschatz in einer Haltestelle ausharrte und damit die Menschen beschäftigte, scheint sich ein ähnlicher Fall nun auch in Leipzig zu entwickeln: Seit Wochen schon kampiert ein Mann an einer Tram-Haltestelle an der Prager Straße.

Seit Wochen schon kampiert ein wohnungsloser Mann auf dem Bahnsteig an der Straßenbahn-Haltestelle Witzgallstraße. Der Fall erinnert an die Geschichte von Jens Kloß (56) aus Oschatz.
Seit Wochen schon kampiert ein wohnungsloser Mann auf dem Bahnsteig an der Straßenbahn-Haltestelle Witzgallstraße. Der Fall erinnert an die Geschichte von Jens Kloß (56) aus Oschatz.  © Lutz Brose

Die Situation wohnungsloser Menschen in Leipzig ist angespannt und verschärft sich durch knappen Wohnraum, mit geschätzt knapp 1.000 Obdachlosen, Tendenz steigend. Trotz Hilfsangeboten von Stadt und anderen Organisationen übernachten Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Straße, unter Brücken, in Abrisshäusern oder Parkbänken. Zunehmend auch in Wartehäuschen des ÖPNV.

Zuletzt berichtete TAG24 vom Obdachlosen Jens Kloß (56) aus Oschatz, der monatelang in einer Bushaltestelle ausharrte und damit hitzige Debatten auslöste. In der Messestadt hat sich nun ein ähnlicher Fall aufgetan: An der Prager Straße hat sich ein Mann auf einem Bahnsteig niedergelassen, kampiert  seit Wochen mit seinen Habseligkeiten in einem zeltartigen Aufbau an der Straßenbahn-Haltestelle Witzgallstraße.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben das Geschehen im Blick. LVB-Sprecher Marc Backhaus teilte dazu auf Anfrage mit: "Gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt Leipzig suchen wir in der beschriebenen Situation das Gespräch, konnten jedoch in den letzten Tagen niemanden antreffen."

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Das Ordnungsamt sei bereits informiert und bestreife die Haltestelle regelmäßig. Gegebenenfalls werde der Mann des Platzes verwiesen. "Gegebenenfalls wird auch Hilfe für Wohnungslose angeboten."

Leipzig eröffnet neues Übernachtungshaus nur für wohnungslose Frauen

Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind informiert, konnten den Mann bislang jedoch nicht antreffen.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind informiert, konnten den Mann bislang jedoch nicht antreffen.  © Lutz Brose

Sicherheitsbedenken bestünden nicht, solange der Schienenweg und der Fahrgastbetrieb nicht gefährdet würden, so Backhaus. Weiter wies der Pressesprecher darauf hin, dass Haltestellen generell öffentlicher Raum seien, Haltestellenhäuschen im Auftrag der Stadt errichtet worden sind und die LVB mitunter Unterstützung durch die Stadt Leipzig bedürfen.

Trotz aller Probleme bei dem Thema ist etwas Entspannung in Sicht. Die Stadt Leipzig eröffnet am 5. Mai ein weiteres Übernachtungshaus nur für wohnungslose Frauen. Das frühere Hotel in der Georg-Schumann-Straße 268 bietet dann insgesamt 46 zusätzliche Plätze, sodass die Kapazität im Vergleich zum bisherigen Standort in der Scharnhorststraße 27 nahezu verdoppelt wird.

Eine weitere Notunterbringung an der Kurt-Schumacher-Straße nahe des Hauptbahnhofs lässt derweil noch auf sich warten.

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Grundsätzlich bitten LVB und Sozialamt der Stadt Leipzig die Leipzigerinnen und Leipziger, alle Personen, die sich obdachlos in Abrisshäusern, ungesicherten Unterkünften oder im Freien aufhalten, auf die entsprechenden Hilfsangebote hinzuweisen oder den Hilfebus oder das Sozialamt der Stadt Leipzig zu informieren.

Titelfoto: Lutz Brose

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