Leipzig - Nach vorn heraus mit großen Worten und Kampagnen für den Klimaschutz, hintenherum Stadtentwicklung mit der Kettensäge! Die Expansionspläne für das Gelände am Cottaweg entlarven abermals die Scheinheiligkeit der Leipziger Stadtpolitik, kommentiert TAG24-Autor Alexander Bischoff.
Auch wenn das aktuelle Wetter anderes verheißt - am heutigen Donnerstag ist der bundesweite Hitzeaktionstag. Wie hitzeresilient Sachsens Städte sind, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gerade in ihrem "Hitze-Check 2026" untersucht. Leipzig schnitt dabei am schlechtesten ab.
Unter anderem deshalb, weil laut DUH seit 2018 in der Stadt 15.732 Bäume "verschwunden" sind. Zumeist standen sie hochpreisigen Apartmenthäusern oder politischen Prestigebauten (Leuschner-Platz) im Weg.
Und nun sollen die Kettensägen erneut angeworfen werden. Gleich ein ganzes Waldstück soll fallen, damit das kommerzielle Fußballprojekt RB Leipzig expandieren und eine Kirmes weiter an ihrem angestammten Ort verbleiben kann.
Wenn der Stadtrat nicht noch die Reißleine zieht, werden nicht nur Hunderte Bäume vernichtet, sondern auch der Lebensraum zahlreicher Vögel in diesem vom NABU kartierten Vogelschutzgebiet.
Viele Worte zum "Klimaschutz" - doch die Realität sieht anders aus
Die Leipziger gelten gemeinhin als die sympathisch-größenwahnsinnigen Sachsen. Immer vorne dabei, Visionen spinnen, Ziele formulieren.
So ist das auch beim so genannten "Klimaschutz". Schon 2019 rief die Stadt den "Klimanotstand" aus, zur Verdeutlichung des Horrorszenarios wurden "Warming-Stripes" auf Brücken und Straßenbahnen gemalt. Auch der "EU-Mission 100 klimaneutrale und smarte Städte" trat Leipzig bei, um besonders schnell "klimaneutral" zu werden.
Und erst jüngst ließ sich die Messestadt vom Freistaat zum "Modellprojekt für klimaresilienten Stadtumbau" ernennen.
Betrachtet man sich jedoch die Realität hinter all den Kampagnen, so sind die Leipziger eher die "Großfressen" Sachsens - keine Taten, dafür viel heiße Luft fürs Klima. Der Waldabholzungsplan für die Erweiterung des RB-Geländes spricht da Bände.
Man darf gespannt sein, wie die Delegierten des "European Forum on Urban Forestry" darauf reagieren werden. Denn im kommenden Jahr ist Leipzig Ausrichter dieser Fachtagung für urbane Waldwirtschaft.