Leipzig - Seit seiner Eröffnung im September 2023 wird das Leipziger Café "STAY - bleibdochnoch" immer wieder das Ziel von Angriffen, musste wegen einer Buttersäure-Attacke zuletzt sogar für mehrere Wochen schließen. Bereits zum zweiten Mal fand der Überlebenskampf des Lokals nun auch seinen Weg in die Leipziger Ratsversammlung - wo Oberbürgermeister Burkhard Jung deutlich Worte fand.
Ob der Stadtverwaltung noch andere Cafés bekannt sind, die innerhalb von zwei Jahren 24-mal angegriffen wurden, wollte die CDU unter anderem in einer Anfrage erfahren. Antwort: Daten würden dazu nicht vorliegen.
Zuletzt hatten Angreifer knapp einen halben Liter Buttersäure in das Café gefüllt, indem sie nachts ein Loch in eine der Fensterscheiben bohrten. Das "STAY" musste für mehrere Wochen geschlossen bleiben. "Der Betrieb ist leider absolut nicht möglich", sagte Inhaber René Wagner. "Es riecht am Ende wie Erbrochenes, der ganze Laden ist nicht benutzbar."
Dank einer Spendenkampagne und tatkräftiger Unterstützung konnte das "STAY" inzwischen zwar wieder öffnen. Die Probleme und der Hass gegen das Café sind jedoch geblieben.
"Es ist unerträglich, dass dieses Café so mit Straftaten zu kämpfen hat", erklärte OB Jung (67, SPD) nun in der Ratsversammlung. "Man kann unterschiedlicher Meinung sein. Aber was hier passiert, nämlich kriminelle Machenschaften, die das Café in seiner Existenz bedrohen, ist unerträglich."
Jung will Café-Inhaber treffen: "Macht mir Sorgen, wie Gewalttaten gestiegen sind"
Das Stadtoberhaupt habe Inhaber René Wagner inzwischen eingeladen, um sich zusammenzusetzen und gemeinsam zu überlegen, was getan werden könne, die Situation zu verbessern. Dabei machte Jung deutlich: "Es macht mir Sorgen, wie sich die gesellschaftliche Situation polarisiert und wie die Gewalttaten gestiegen sind."
Betreiber des "STAY" ist die Zeal Services GmbH, deren alleiniger Gesellschafter die "Zeal Church" ist, eine in Mitteldeutschland aktive Freikirche mit engen Verbindungen zu erzkonservativen Gruppen in den USA. René Wagner ist Pastor der Kirche. Im Café wird zwar auf religiöse Symbolik verzichtet. Seit seiner Gründung sorgt diese Verbindung jedoch immer wieder für Ablehnung bis hin zur Gewalt gegenüber dem "STAY".
TAG24 traf sich bereits im September 2024 vor Ort mit dem Pastor und Inhaber und führte ein ausführliches Gespräch über die Vorgänge und wiederholt erhobenen Vorwürfe.
René Wagner kündigte auch nach dem Buttersäure-Angriff an, dass das "STAY" bleiben werde. Bleibt zu hoffen, dass der Einsatz von OB Jung zumindest etwas der erhofften Ruhe bringt.