Leipziger Café angeblich schon 27-mal von Linken attackiert: Betreiber nehmen Stadt in Verantwortung
Leipzig - Nach fast drei Jahren und zahlreichen Angriffen hat das Café "STAY – bleibdochnoch" auf der Dresdner Straße im Osten der Stadt Ende Juni zugemacht. Nach der Schließung gab es im Juli trotzdem noch einen Angriff, zu dem später auch ein Bekennerschreiben auf der linksradikalen Plattform Indymedia auftauchte. Jetzt hat sich der Café-Betreiber, die "Zeal Church", noch einmal gemeldet und vor allem die Stadt in Verantwortung genommen.
In einem offiziellen Statement adressierte die Gemeinde am Mittwoch direkt die Angreifer: "Ihr habt das Café geschlossen. Das ist wahr. Sieben Menschen haben ihre Arbeit verloren. Darüber schreibt ihr kein Wort", heißt es darin.
Und weiter: "Wir haben diesen Ort gebaut, damit er offen ist für jeden. [...] Wir haben jedes Mal aufgeräumt. Wir haben jedes Mal Anzeige erstattet. Und wir haben jedes Mal dasselbe Ergebnis bekommen: nichts."
Das Café verzeichnete in den vergangenen drei Jahren laut Betreibern insgesamt 27 Angriffe, darunter auch zwei Buttersäure-Angriffe, eingeschlagene Scheiben und Graffiti.
Kritiker und die vermeintlichen Angreifer werfen der Gemeinde, die hinter dem Café steht, unter anderem Queerfeindlichkeit und Verbindungen zu erzkonservativen Organisationen in den USA vor. Der Pastor René Wagner dementierte das immer wieder, unter anderem auch 2024 in einem Interview mit TAG24.
In dem Bekennerschreiben auf Indymedia feierte die anonyme Gruppierung die Schließung als "klaren Gewinn für die autonomen Queers und Allies in Leipzig" und zeigte sich zuletzt vermummt vor dem Café mit einem Plakat, auf dem "Stonewall was a riot and so are we!" stand.
Gemeinde fordert, dass alle 27 Angriffe neu bewertet werden
Nicht zum ersten Mal nimmt die "Zeal Church", eine evangelikale Freikirche mit mehreren Standorten in Sachsen, auch die Stadt Leipzig in die Verantwortung.
In der Vergangenheit hatte die Stadt auf die Angriffe reagiert. Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) verurteilte sie, wenn auch nicht sofort, und hat sich für ein Gespräch mit der Glaubensgemeinschaft getroffen.
Das geht der Freikirche laut ihrem Statement aber nicht weit genug. Sie fordern von der Stadt ein Sicherheitskonzept für ihre Gemeinderäume in der Dresdner Straße und Torgauer Straße und dass sie sich dafür einsetzt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft alle 27 Angriffe neu bewerten.
Außerdem sollen die bisherigen Verfahren erneut geprüft werden, alle bedrohten religiösen Orte in der Stadt besser geschützt werden, und man wünscht sich ein persönliches Gespräch mit dem Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (51, Die Linke).
Titelfoto: Bildmontage: Indymedia.org; privat

