Nach tagelanger Kritik: Weimer vollzieht Kehrtwende bei Leipziger Millionenprojekt

Von Verena Schmitt-Roschmann


Leipzig/Berlin - Nach heftiger Kritik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) klargestellt, dass der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig noch nicht endgültig gestoppt ist.

Wolfram Weimer (61, parteilos), Staatsminister für Kultur und Medien, hat am Mittwoch überraschend klargestellt, dass der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig noch nicht endgültig gestoppt ist. (Archivbild)  © Christoph Soeder/dpa

Eine abschließende Prüfung der Planungsunterlagen durch die Bauverwaltung des Bundes stehe noch aus und die langfristige Finanzierung sei nicht gesichert, erklärte der parteilose Politiker in Berlin. "Das daraus resultierende Moratorium bedeutet aber nicht, dass das Vorhaben gestrichen ist."

Die Bibliothek hatte vergangene Woche mitgeteilt, Weimer habe sich gegen die Realisierung des Erweiterungsbaus entschieden. Dieser sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien aufbewahren zu können.

Das ist der Auftrag der Deutschen Nationalbibliothek mit ihren Standorten in Leipzig und Frankfurt am Main. Die Magazinkapazitäten in Leipzig sind nach Darstellung der Leitung nahezu erschöpft.

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In die Planung des Erweiterungsbaus flossen nach offiziellen Angaben bereits rund sieben Millionen Euro. Der Bau selbst hätte nach Weimers Darstellung Gesamtkosten von mehr als 100 Millionen Euro.

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"Inzwischen ein breiter Konsens" - so der Generaldirektor der Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in Deutscher Sprache. Doch die Lagerkapazitäten sind nahezu erschöpft. (Archivbild)  © Sebastian Willnow/dpa

Der Generaldirektor der Nationalbibliothek, Frank Scholze, wurde in Weimers Mitteilung mit den Worten zitiert: "Wir begrüßen die Entscheidung des Staatsministers sehr, den nächsten Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Baus zu gehen."

Es sei gesetzlicher Auftrag und gesamtgesellschaftliche Verantwortung, das kulturelle Erbe im "Gedächtnis der Nation" zu bewahren. "Dass hierzu inzwischen ein breiter Konsens mit dem Staatsminister und der Öffentlichkeit besteht, ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unseres Landes", erklärte Scholze.

Weimer selbst erklärte: "Selbstverständlich ist und bleibt der Bund der Deutschen Nationalbibliothek als Schatzkammer unseres schriftlichen Kulturerbes verpflichtet, ebenso wie ihrem Standort in Leipzig." Bei der Umsetzung des Sammelauftrags werde man künftig auch die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker einsetzen. Aber man werde "gemeinsam auch in Zukunft den Erhalt eingehender physischer Medienwerke sicherstellen".

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Die Klarstellung kommt nach tagelanger Kritik. Über einen Sprecher hatte Weimer vergangene Woche erklärt: "Grundsätzlich strebt Staatsminister Weimer an, die Pflichtablieferung an die Deutsche Nationalbibliothek zukünftig weitestgehend digital abzubilden."

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