Meuselwitz/Leipzig - Seit gut einem Monat brennt im mitteldeutschen Revier eine alte Kohlegrube. Bis heute bekommt der Bergbausanierer LMBV den unterirdischen Schwelbrand im äußersten Osten Thüringens nicht unter Kontrolle - mit verheerenden Folgen für zahlreiche Anwohner auch sächsischer Anrainergemeinden.
Seit dem 27. Juni qualmt zwischen Meuselwitz und Falkenhain (Thüringen) die Erde. In dem Areal des ehemaligen Tagebaus Rusendorf, das knapp fünf Kilometer von der sächsischen Landesgrenze entfernt liegt, ist nach Angaben der LMBV ein altes Kohletrübebecken in Brand geraten.
Dabei handelt es sich um ein Restloch, in das die bei der Brikettproduktion anfallende Kohletrübe - ein Gemisch aus Kohlenstaub, Wasser und Kohlepartikel - jahrzehntelang eingespült wurde.
Während die oberirdischen Vegetationsbrände mithilfe von Löschhubschraubern inzwischen bekämpft werden konnten, brennen die Kohlereste unter der Erde unkontrolliert weiter. Bei westlichen Winden ziehen die Rauchwolken direkt nach Sachsen.
"Du kannst auf unserem Hof teilweise nicht mehr atmen", berichtet der Leipziger Radio-Manager Ulrich Müller (55).
Mit seiner Frau Michelle Ziegelmann (41), die mit ihrem Instagram-Account "Neuseenkraut" aktuell Deutschlands erfolgreichste "Kräuterhexe" ist, bewohnt er ein grünes Refugium im Leipziger Neuseenland, das seither regelmäßig eingenebelt ist.
Warndienst: Fenster schließen, Klimaanlagen aus!
"Es riecht wie der alte DDR-Smog und schnürt dir den Atem ab", klagt Müller. Problematisch sei vor allem, dass man bei der Hitze nachts nicht mehr die Fenster zum Durchlüften öffnen könne.
Tatsächlich empfiehlt auch der behördliche Warndienst KATWARN den betroffenen Anwohnern, Türen und Fenster geschlossen zu halten und Klimaanlagen abzustellen.
Die LMBV, die täglich Messungen durchführt und das Brandgebiet mit Drohnen überwacht, erklärt, dass zwar eine erhebliche Geruchsbelästigung, aber keine direkte Gefährdung bestehe. Anwohner der betroffenen Kommunen, die inzwischen eine Petition mit dem Slogan "Wir wollen wieder durchatmen!" gestartet haben, bleiben skeptisch.
"Nach der Wende ist doch aller möglicher Müll in solche Kohlegruben verkippt worden, wer weiß, was da alles unterirdisch brennt ...", zweifelt Müller.
Die LMBV will das komplette Brandgebiet zunächst mit Unmengen Wasser "einweichen". Dazu wird demnächst eine kilometerlange Wasserleitung vom Restloch Zipsendorf verlegt und vor Ort werden Tiefbrunnen gebohrt.
"Anschließend soll der Brandbereich dauerhaft mit einer etwa zwei Meter mächtigen Erdschicht abgedeckt werden, um dem Schwelbrand die Sauerstoffzufuhr abzuschneiden", erklärt LMBV-Sprecher Dr. Uwe Steinhuber. Der Bergbausanierer rechnet mit etwa drei Jahren, die er für all das benötigt …