Von Erik-Holm Langhof und Eric Mittmann
Dölzig - Im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig (Landkreis Nordsachsen) ist am Sonntag ein Tiger ausgebrochen, nachdem er einen 73-Jährigen zuvor angegriffen hatte. Die Polizei erschoss das Tier schließlich an einer Gartenanlage. Kleingärtnerin Janine Nordengrün (43) erlebte die dramatischen Momente in der Anlage.
Als Polizei samt Hubschrauber in die Gartenanlage eilten, habe Janine Nordengrün zusammen mit ihrem fünfjährigen Sohn und ihrem Partner auf der Terrasse in ihrem Kleingarten gesessen. "Ich habe noch gesagt: Das ist aber komisch, dass der so tief fliegt", erinnert sie sich.
Ihr Partner, der von den in der Nähe gehaltenen Tigern wusste, habe sogleich etwas mit den Tieren vermutet. Schnell sei ein ungutes Gefühl aufgekommen. "Er meinte gleich, da ist bestimmt was mit den Tigern passiert."
Wenig später seien mehrere Polizeifahrzeuge angerückt. Kurz darauf habe sie Schüsse gehört. "Dann wurde noch einmal geschossen und da merkten wir: Okay, da ist tatsächlich etwas passiert."
Erst durch andere Gartenbesitzer habe sie erfahren, dass ein Tiger ausgebrochen war. "Da kam jemand angerannt und sagte nur: Da ist ein Tiger frei."
Besonders beunruhigt habe sie die unklare Lage. Schwer bewaffnete Polizeikräfte hätten die Kleingärtner angewiesen, sich in ihre Lauben zurückzuziehen. "Sie sagten uns, es sei ein Tiger frei und einer wurde erschossen. Sie wüssten aber nicht, ob noch mehr unterwegs sind. Das war total surreal", so Nordengrün.
Keine Warnung über Nina und KatWarn
Kritik äußerte die 43-Jährige aus Günthersdorf gleichzeitig an der fehlenden Warnung über Apps wie Nina oder KatWarn. "Wenn ein Tiger frei herumläuft, erwartet man eigentlich, dass die Bevölkerung informiert wird", mahnte die Kleingärtnerin.
Der Tiger war kurz nach Mittag aus seinem Gehege auf dem Gelände der als "Tiger-Queen" bekannten Dompteurin Carmen Zander ausgebrochen. Ein 73-jähriger Helfer Zanders wurde dabei schwer verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden.
Die Polizei erschoss das Tier schließlich. Später stellte sich heraus, dass sich alle weiteren der insgesamt elf Raubkatzen noch in ihren Käfigen befanden.
Wie es zu dem Ausbruch kam, war zunächst noch unklar.