Tigerattacke in Sachsen: PETA gibt Behörden Mitschuld an Vorfall

Dölzig - Im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig (Landkreis Nordsachsen) ist am Sonntag ein Tiger aus der Haltung von Dompteurin Carmen Zander (51) ausgebrochen, nachdem er zuvor einen 72-Jährigen angegriffen hatte. Während die Behörden versuchen, Klarheit in den Vorfall zu bringen, hat die Tierschutzorganisation PETA nun scharfe Kritik am Veterinäramt des Landkreises geäußert - und gleichzeitig ein Verbot der Tigerhaltung in Deutschland gefordert.

Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst am Sonntag in Dölzig, nachdem auf dem Gelände von Dompteurin Carmen Zander (51) ein Tiger ausgebrochen war. Das Tier wurde schließlich von der Polizei erlegt.  © EHL Media/Björn Stach

"Das Veterinäramt Nordsachsen hat Zander jahrelang gewähren lassen und trägt Mitschuld an dem tragischen Vorfall", warf Peter Höffken, Fachreferent bei PETA, der Behörde vor.

Die Tierschützer zählten dabei gleich mehrere Verstöße der sogenannten "Tiger-Queen" auf, die jedoch nicht geahndet wurden und in denen die Behörden nicht durchgriffen. So soll Carmen Zander bereits 2019 die Nachzucht von Tigern verboten worden sein, weil dies unter den gegebenen Haltungsbedingungen schlichtweg nicht erlaubt werden könne. 2024 wurde die Dompteurin dennoch gesehen, wie sie in Leipzig ein Jungtier "Gassi" führt. Laut "Bild" kamen erst Anfang 2025 sechs weitere Junge zur Welt.

Im Oktober desselben Jahres stand Zander vor Gericht, weil sie ihre Tiger ohne behördliche Erlaubnis zur Schau gestellt und Streicheleinheiten mit den Jungtieren unter Bezahlung angeboten habe. Das Verfahren wurde schließlich unter Auflagen eingestellt.

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Auch die Haltungsbedingungen selbst stehen in der Kritik: Seit Zander nicht mehr im Zirkus engagiert ist, gelten für sie dieselben Haltungsbedingungen wie für Zoos oder Tierparks. Allein für fünf Tiger wären 500 Quadratmeter erforderlich. In dem Gewerbegebiet, in dem die sie seit Jahren mit doppelt so vielen Tieren gestrandet ist, schlichtweg nicht umsetzbar.

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PETA: "Angebot einer renommierten Auffangstation liegt seit Langem auf dem Tisch"

"Tiger-Queen" Carmen Zander im Gespräch mit der Polizei. Wie es mit ihren Raubkatzen weitergeht, ist noch offen.  © Michael Strohmeyer

"Die Behörde muss sofort die übrigen neun Tiger beschlagnahmen", forderte nun PETA-Fachreferent Peter Höffken. "Ein Angebot einer renommierten Auffangstation liegt seit Langem auf dem Tisch."

Gleichzeitig forderten die Tierschützer auch die Bundesregierung sowie Bundesagrarminister Alois Rainer (61, CSU) zum Handeln auf, die Haltung von Tigern, Löwen und anderen Wildtieren in Zirkus und Privathand zu verbieten.

"In der Hälfte aller Bundesländer dürfen völlig legal Tiger, Löwen und Giftschlangen gehalten werden. Die Bundesregierung hat jahrzehntelang geschlafen und muss nun endlich handeln, damit der Missbrauch von Großkatzen und anderen Wildtieren für Zirkus und Privathaltung beendet wird", so Peter Höffken.

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Der entlaufene Tiger wurde am Sonntag schließlich nahe einer Kleingartenanlage von der Polizei erlegt. Weitere Personen kamen nicht zu Schaden. Der 72-Jährige wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Warum der Tiger ausbrechen konnte, ist noch immer unklar. Wie eine Sprecherin der Leipziger Polizei am Montag TAG24 sagte, wurde das Tier inzwischen in die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheit und Veterinärwesen in Wiederitzsch gebracht. Gleichzeitig werde geklärt, unter welchen Gesichtspunkten nun ermittelt werden soll. Die Frage, wie es mit den Raubkatzen weitergehen soll, ist nach wie vor offen.

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