Leipzig - Der Jahreswechsel ist für die Leipziger Feuerwehr ein "Großkampftag". Allein in diesem Jahr gingen innerhalb von 24 Stunden 851 Notrufe bei der Integrierten Regionalleitstelle ein. Neben der steigenden Zahl von Einsätzen (+35 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sehen sich die Kameradinnen und Kameraden auf den Straßen jedoch auch mit wachsender Gewalt konfrontiert. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wächst nun die Sorge, um die Einsatzbereitschaft, besonders in den Reihen der ehrenamtlich Tätigen.
Eigentlich hatte man seitens der Feuerwehr aufgrund der Witterungsverhältnisse auf einen eher ruhigen Jahreswechsel gehofft. "Die erste halbe Stunde war noch recht unspektakulär", sagte Axel Schuh, Leiter der Branddirektion Leipzig. "Ab 1 Uhr kam es dann zu einer Häufung von Einsätzen."
Neben zwei sogenannten Verbandseinsätzen, bei denen mehrere Feuerwehrzüge am selben Ort zum Einsatz kommen, gab es noch 28 mittlere, sowie 51 kleinere Brände - nichts, womit man nicht fertig werden könne.
Im Stadtteil Grünau-Mitte, im Bereich der Stuttgarter Allee, hatten hingegen knapp 20 Personen einen regelrechten Hinterhalt vorbereitet. Dafür hatten sie zunächst eine große Mülltonne angezündet, um "Notrufe zu generieren", so Axel Schuh, der am Silvesterabend selbst die Leitung in der Branddirektion innehatte.
"Etwa 20 bis 30 Meter davor waren weitere Mülltonnen angesteckt, um die Zufahrt mit den Fahrzeugen zu verhindern. Sobald die Kameraden der Feuerwehr ausgestiegen waren, wurden sie mit Böllern und Raketen beworfen."
Einer der Randalierer hatte zudem einen Pulver-Feuerlöscher in Richtung der Einsatzkräfte entleert und diesen anschließend nach ihnen geworfen. "Es ist erst losgegangen, als Feuerwehrkräfte da waren", sagte Schuh. "Das lässt für uns den Schluss zu, dass das konstruiert war."
Sorge um Einsatzbereitschaft wächst
Später hatte sich ein ähnlicher Vorfall in Connewitz ereignet. Auch dort war die Feuerwehr im Begriff, eine brennende Barrikade zu löschen, als sie mit Pyrotechnik attackiert wurde. Dabei explodierte eine Rakete zwischen Jackenkragen und Helm-Visier eines Zugführers, der dadurch erheblich verletzt wurde.
Der gesamte Feuerwehrzug sei nach diesem Vorfall seitens der Einsatzleitung in dieser Nacht aus dem Dienst genommen worden.
"Für uns als Verband ist das ein absolutes No-Go, dass man helfende Menschen angreift", sagte Robby Faehse.
"Sowohl in Connewitz als auch in Grünau hat es Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr getroffen. Das sind Menschen, die sich ehrenamtlich bereit erklären, anderen zu helfen und am nächsten Tag wieder ihrer normalen Arbeit nachgehen müssen." Einige Kameradinnen und Kameraden hätten bereits Zweifel geäußert, sich für den Silvester-Einsatz im nächsten Jahr zu melden.
Der Verband fürchtet vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen, um die Einsatzbereitschaft der Leipziger Feuerwehr zum nächsten Jahreswechsel und fordert daher eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Angriffen auf eigene Kräfte, Rettungsdienste und weitere städtische Beschäftigte.
Angesichts der angespannten Haushaltslage warnt man zudem vor Personalkürzungen und ausbleibenden Investitionen in Liegenschaften und Technik. "Die Einsätze werden nicht weniger", mahnt Robby Faehse.