"Seit Langem ein Problem": "Hauptstadt der Fahrraddiebe" macht Radparken am Hauptbahnhof sicherer

Leipzig - Seit Jahren schon gilt Leipzig als Hauptstadt der Fahrraddiebe. Unter anderem am Hauptbahnhof kommt es immer wieder zu Diebstählen. Mit einem Fahrradparkhaus will die Stadt das Abstellen nun sicherer machen. Der Stadtrat gab dem Vorhaben grünes Licht.

Voll und chaotisch, so präsentiert sich die Parksituation für Radfahrer oftmals am Hauptbahnhof. Mit einem Fahrradparkhaus auf der Ostseite will die Messestadt nun Abhilfe schaffen.  © Christian Grube

"Seit Langem haben wir tatsächlich ein Problem am Hauptbahnhof", betonte Grünen-Stadträtin Kristina Weyh während der Ratsversammlung am Mittwoch. "Fahrraddiebstahl-Hauptstadt Leipzig, das ist ja eine sperrige und äußerst zweifelhafte Ehrung, die wir immer wieder tragen."

Weyh zufolge gebe es an Sachsens größtem Verkehrsknotenpunkt ein Angebotsproblem. Viele Menschen würden gar nicht erst mit dem Rad zum Hauptbahnhof fahren, weil sie nicht wüssten, wohin dann mit ihm. "Zu wenige Abstellmöglichkeiten, viel zu voll, viel zu chaotisch und ich weiß am Ende nicht, ist mein Rad noch da, ist es komplett, verpass ich meinen Zug, weil ich's suchen muss."

Dass das Vorhaben nun auf den Weg gebracht wird, bezeichnete die Grünen-Stadträtin als großen Erfolg, auch wenn es ihrer Fraktion nach etwas zu zögerlich vorangehe. Tatsächlich soll Leipzigs Jugendparlament das Projekt einem Artikel der "Leipziger Volkszeitung" zufolge bereits 2019 angeschoben haben. Zwischenzeitlich habe die Finanzierung auf der Kippe gestanden. Im März dieses Jahres gab die Stadt dann bekannt, dass das Fahrradparkhaus kommen soll.

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Die Anlage soll im bereits bestehenden Parkhaus auf der Bahnhof-Ostseite entstehen und insgesamt 390 Fahrrädern Platz bieten. Kostenpunkt: 2,2 Millionen Euro. 1,5 Millionen davon steuert der Bund bei.

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6661 Fahrraddiebstähle im vergangenen Jahr in Leipzig

Das Parkhaus soll zudem für mehr Sicherheit sorgen. Kunden sollen durch ein Drehkreuz beziehungsweise eine Radtür kontrolliert hineinkommen. Die Nutzung kostet einen Euro pro Tag.  © Christian Grube

SPD-Stadtrat Frank Franke bemerkte in seiner Rede zum Thema, dass inzwischen rund 75.000 Menschen die Messestadt verließen, um außerhalb ihrer Arbeit nachzugehen. 2012 seien es noch weniger als 50.000 gewesen. "Immer mehr Menschen nutzen unsere Angebote und natürlich auch die Deutsche Bahn, um beruflich aus der Stadt zu pendeln. An vielen S-Bahn-Stationen haben wir schon Parkhäuser für Fahrräder, aber eben am Hauptbahnhof so noch nicht. Insofern ist es, glaube ich, sehr geboten, das zu machen."

Das Vorhaben wurde schließlich mit großer Mehrheit beschlossen. Die Bauarbeiten sollen noch im Herbst beginnen.

Den Titel "Hauptstadt der Fahrraddiebe" erhielt Leipzig bereits im Jahr 2020 durch die Website "Statista" sowie Check24. Das Vergleichsportal hatte ein Ranking der deutschen Städte nach der Zahl an Fahrraddiebstählen je 100.000 Einwohner aufgestellt. Mit 1700 Vorfällen landete Leipzig dabei auf Platz 1. 2025 wurden in der Messestadt laut Polizei 6661 Fahrräder geklaut.

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