Leipzig - Knapp neun Monate vor der OB-Wahl in Leipzig füllt sich das Bewerberfeld. Jetzt schlug auch der CDU-Kreisvorstand einen Kandidaten vor. Nach der endgültigen Absage von Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (47) soll nun ein außerhalb der Messestadt eher unbekannter Kommunalpolitiker das "rote Rathaus" für die Schwarzen erobern.
Michael Weickert heißt der Mann, den der Vorstand der Leipziger Christdemokraten gern ins Rennen schicken möchte. Der 36-Jährige ist seit 2014 Stadtrat und führt dort aktuell die CDU-Fraktion. Am 23. Juni soll er auf der Mitgliederversammlung der Partei offiziell zum OB-Kandidaten gekürt werden.
Damit haben sich die Bemühungen der Leipziger Unioner endgültig zerschlagen, ein prominentes Zugpferd ins Rennen zu schicken. Bis zuletzt hatte man gehofft, Wissenschaftsminister Gemkow, der zur letzten OB-Wahl 2020 nur knapp dem Amtsinhaber Burkhard Jung (68, SPD) unterlegen war, doch noch überreden zu können.
Weickert ist Leipziger, hat Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert, verdient sein Geld jedoch mit Politik. Er ist katholisch, eher konservativ und wollte ursprünglich mal in den Landtag. Doch zur Wahl 2019 scheiterte er als Direktkandidat und konzentrierte sich fortan auf die Stadtpolitik.
AFD und Grüne suchen noch
Gibt die CDU-Basis grünes Licht, wäre Weickert der nunmehr achte OB-Kandidat. Seine Konkurrenten bisher: Die SPD will mit Wirtschaftsminister Dirk Panter (52) die rote Hochburg halten. Die Linke setzt auf Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (49). Das BSW schickt seinen Landtagsabgeordneten Eric Recke (39) ins Rennen.
Die FDP setzt auf den Start-up-Förderer Alexander Türpe (42). Die Europa-Partei Volt nominierte den Unternehmer Falk Fiebig (51). Ein freies Wählerbündnis bringt den einstigen Konsum-Chef und heutigen Co-Geschäftsführer des Leipziger Stadthafens Dirk Thärichen (56) an den Start. Und die Satire-Truppe "Die PARTEI" will mit ihrem Bundes-Vize Tom Rodig (38) die Leipziger überzeugen.
Die AfD wird erst im September entscheiden, wen sie für die OB-Wahl nominiert. Die Grünen sind nach der gesundheitsbedingten Absage ihrer internen Favoritin, der Schul- und Jugendbürgermeisterin Vicki Felthaus (49), wieder auf der Suche.
Für eine Überraschung könnte noch eine bislang klandestine Pragmatiker-Allianz um den sächsischen Unternehmer-Präsidenten Dietrich Enk (52) sorgen - sie will den parteilosen Stadtrat Getu Abraham (58) als Universal-Kandidaten der bürgerlichen Mitte ins Rennen schicken. Der gebürtige Äthiopier ist Professor für Veterinärmedizin und arbeitet aktuell an der Tierklinik der Universität Leipzig.