Weil der Freistaat nicht zahlt: Leipzig kämpft um Erhalt des sächsischen Reparaturbonus

Leipzig - Mit dem sogenannten Reparaturbonus wollte Sachsen gegen die Wegwerfgesellschaft vorgehen und landete damit einen Riesenerfolg. Der Bonus wurde rege genutzt und die zunächst veranschlagten Mittel von 1,25 Millionen Euro waren schnell aufgebraucht. Inzwischen steht das Programm jedoch auf der Kippe. Leipzig will sich nun für die Fortsetzung einsetzen.

Servicetechniker Lothar Pohl in der Werkstatt der HSC HomeElectronic Service Center GmbH. Der Betrieb beteiligt sich am Programm für den sogenannten Reparaturbonus. Aktuell zahlt das Wirtschaftsministerium diesen jedoch nicht aus.
Servicetechniker Lothar Pohl in der Werkstatt der HSC HomeElectronic Service Center GmbH. Der Betrieb beteiligt sich am Programm für den sogenannten Reparaturbonus. Aktuell zahlt das Wirtschaftsministerium diesen jedoch nicht aus.  © Hendrik Schmidt/dpa

Seit Einführung des Bonus im November 2023 wurden in Sachsen "über 250 Tonnen Elektroschrott eingespart und 2200 Tonnen CO2-Emissionen vermieden", erklärte Grünen-Stadträtin Dr. Nicole Schreyer-Krieg bei der Ratsversammlung am Mittwoch. "Allein hier in Leipzig wurden über 5300 Geräte repariert. Das hat dem lokalen Handwerk zusätzliche Aufträge von rund 1,2 Millionen Euro beschert."

Das Programm habe sich damit in mehrerlei Hinsicht als Bonus herausgestellt. "Wir vermeiden Müll im Sinne des Zero-Waste-Konzeptes unserer Stadt, wir stärken das lokale Handwerk, wir vermeiden CO2-Emissionen und wir sensibilisieren unser eigenes Konsumverhalten und vermeiden Neukäufe, die nicht zwingend sein müssen."

Trotz des Erfolges steht der Bonus inzwischen auf der Kippe. Zwar konnte das Programm mit einem Budget von einer Million Euro im Haushalt fortgesetzt werden, das von Sozialdemokrat Dirk Panter (51) geführte Wirtschaftsministerium setze die Entscheidung jedoch nicht um.

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"Die Gründe sind nicht klar und nicht nachvollziehbar. Anträge können momentan nicht eingereicht werden und ob der Bonus in diesem Jahr noch ausgezahlt wird, ist völlig unklar", so Schreyer-Krieg.

OB Jung soll sich für sofortige Weiterführung einsetzen

Leipzig will OB Burkhard Jung (67, SPD) nun zur Klärung der Lage nach Dresden schicken.
Leipzig will OB Burkhard Jung (67, SPD) nun zur Klärung der Lage nach Dresden schicken.  © Jan Woitas/dpa

Leipzigs Grüne wollen es damit jedoch nicht auf sich beruhen lassen und nun Oberbürgermeister Burkhard Jung (67, SPD) zur Klärung der Lage nach Dresden schicken.

Der Vorstoß wurde schließlich mehrheitlich beschlossen.

Jung soll sich beim Freistaat Sachsen für die sofortige Weiterführung des Reparaturbonus einsetzen. Perspektivisch soll die Förderung zudem auch für weitere Produkte wie Textilien und Freizeitgeräte ausgebaut werden, eine Anregung der Stadtverwaltung.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

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