Urlaub, wie er im Buche steht: Auf Erkundungstour in und um Leipzig

Leipzig - Den schönsten (Buch-)Seiten des Sommers widmet TAG24 eine Heimat-Serie. Kommt mit auf die Reise durch Sachsen auf den Spuren von literarischen Helden und Schriftstellern. Entdeckt das Land neu beim Schmökern durch historische Romane, außergewöhnliche Krimis, Bildbände oder ausgefallene Sachbücher.

Glaubt nicht, dass das "Astoria" wieder ein Hotel wird, "vielleicht aber die teuersten Eigentumswohnungen der ganzen Stadt in bester Citylage": Stadtführer und Buchautor Henner Kotte (58) mit seinem neuen "Astoria"-Buch.
Glaubt nicht, dass das "Astoria" wieder ein Hotel wird, "vielleicht aber die teuersten Eigentumswohnungen der ganzen Stadt in bester Citylage": Stadtführer und Buchautor Henner Kotte (58) mit seinem neuen "Astoria"-Buch.  © Ralf Seegers

Lasst Euch von liebenswertem Lesestoff mit Lokalkolorit locken und machen Sie mal Urlaub, wie er im Buche steht. Der fünfte Serienteil rückt die Messestadt Leipzig und die Region rundherum in den Fokus. Auf kleinen Touren findet Ihr heraus, ob die Schildbürger wirklich dumm waren, trefft auf Biber, wandert in Heiden oder mit dem Kanu und könnt mit einer Dampfeisenbahn fahren.

Gewandhaus, Oper, Nikolaikirche. Stadtführer und Buchautor Henner Kotte (58) wäre froh, wenn er seinen Gästen auch das einstige Juwel der Leipziger Innenstadt zeigen könnte - das sagenumwobene Hotel "Astoria".

"Davon stehen aber nur noch die Mauern", ärgert er sich. Doch die reichen ihm, um bei Stadtführungen am Originalschauplatz die schönen und schaurigen Geschichten über das einstige Traditionshotel zu erzählen.

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Da gibt es die Anekdote von Hotelgast Udo Jürgens (†80), der am Frauentag (8. März) einsam an der Mokka-Bar saß, als die Angestellten in Kostümen zur Modenschau antanzten. Eine freche Fachkraft aus der Kalten Küche meinte: "Udo, da musste uns zu Ehren etwas singen!"

Der ließ sich nicht lange bitten, setzte sich an den Flügel und gab den Damen ein Privatkonzert. "Siebzehn Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir …" Sogar aus dem hoteleigen Friseurgeschäft kamen die Frauen mit Lockenwicklern.

Kotte nutzte die Corona-Lockdowns ohne Stadtführungen, Lesungen und Buchmessen und recherchierte über das "Astoria", ließ sich alte Akten aus dem Leipziger Stadtarchiv schicken. Herausgekommen ist das Buch "Astoria" - eine unvollendete Geschichte über die legendäre Luxus-Absteige.

Das altehrwürdige "Astoria" im Januar 2018.
Das altehrwürdige "Astoria" im Januar 2018.  © dpa/Hendrik Schmidt

Promi-Gäste im "Astoria"

Foto aus glücklicheren Tagen: Die Nobel-Herberge im Zentrum Leipzig wurde am 5. Dezember 1915 eröffnet und bis zum 30. Dezember 1996 betrieben.
Foto aus glücklicheren Tagen: Die Nobel-Herberge im Zentrum Leipzig wurde am 5. Dezember 1915 eröffnet und bis zum 30. Dezember 1996 betrieben.  © imago/Arkivi

Denn eigentlich sollte das neue "Astoria"-Hotel bereits im Herbst 2021 wiedereröffnet worden sein. "Stattdessen feierten wir das 25-jährige Jubiläum der Schließung", winkt Kotte ab.

Bei seinen Stadtführungen zaubern die Namen der illustren Hotelgäste so manchem ein Lächeln ins Gesicht - egal, ob sie aus dem Osten oder Westen kommen: Juri Gagarin, Bischof Desmond Tutu, Manfred von Ardenne, die Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder, Eberhard Cohrs oder Günter Netzer.

1964 war das Hotel Kulisse im DEFA Polit- und Spionage-Thriller "Schwarzer Samt", in dem Fred Delmare (†87 mitspielte.

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"Ihnen allen wurden jederzeit Extrawünsche erfüllt - vom schnellen Kondom bis zum täglichen Schnitzel für den Hund", schmunzelt Kotte. "Und dann wabert da noch das Gerücht, dass die Stasi bewusstseinsveränderndes Gas in ein Hotelzimmer einleiten konnte - als Wahrheitsdroge für Verhöre."

Ihr wollt mehr erfahren? Das Buch "Hotel Astoria" (24 Euro) und private Stadtführungen (1,5 Stunden, 125 Euro für bis zu 25 Teilnehmer) gibt's über: www.henner-kotte.de

Diese Titel machen Appetit auf die Region

Wartet auf Besuch: Barockschloss Hubertusburg in Wermsdorf.
Wartet auf Besuch: Barockschloss Hubertusburg in Wermsdorf.  © imago/Sylvio Dittrich

Projektmanager und Leseratte Thomas Jahn (36) ist bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH für die Vermarktung der Region Leipzig verantwortlich: "Ich empfehle die Lektüre von folgenden fünf Büchern, die Touristen alle direkt zu uns ins Leipziger Umland locken."

• Wusstet Ihr, dass das 1721 errichtete Schloss Hubertusburg nicht nur von Königs August III. als kurfürstlich-sächsisches Jagdschloss, sondern später auch als Strafanstalt und Landeshospital genutzt wurde? Im Paperback-Band "Das Schloss Hubertusburg sonst und jetzt" erfahrt Ihr noch viel mehr über das pompöse Bauwerk 15 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Grimma. Jahns Ausflugstipp: "Noch bis zum 31. Oktober läuft im Schloss die Sonderausstellung 'Raumschiff Hubertusburg - Traumschloss im Wandel'. Nach der Ausstellung empfehle ich eine Wanderung zum Collm im Wermsdorfer Forst oder eine Fahrt mit der Döllnitzbahn, die zwischen Oschatz nach Mügeln pendelt. Sehenswert ist zudem das Geoportal im Bahnhof Mügeln, erlebnisreich eine Fahrradtour entlang der Obstland-Route."

Thomas Jahn (36).
Thomas Jahn (36).  © Philipp Kirschner/pkfotografie.com

Dübener und Dahlener Heide

Burgen- und Schlössertour entlang der Mulde: In Leisnig thront Burg Mildenstein über dem Fluss. Nach mehr als 200 Jahren kann auch wieder der Burgbrunnen besichtigt werden.
Burgen- und Schlössertour entlang der Mulde: In Leisnig thront Burg Mildenstein über dem Fluss. Nach mehr als 200 Jahren kann auch wieder der Burgbrunnen besichtigt werden.  © dpa/Jan Woitas

• Im Roman "Landnahme" erzählt Christoph Hein über fast fünfzig Jahre lang die Lebensgeschichte eines Außenseiters, den es in die sächsische Provinz verschlagen hat. Das Werk spielt im fiktiven Bad Guldenberg, das Bad Düben nachempfunden ist, wo Hein 1944 geboren wurde. "Über den Mulderadweg kommt man nach Bad Düben, kann dort den Kurort erkunden und das HEIDE SPA Hotel & Resort besuchen. Auf dem Qualitätswanderweg 'Heide-Biber-Tour' geht's durch den Naturpark Dübener Heide", preist Touristiker Jahn an.

• Die Streiche aus "Die Schildbürger" vom Dresdner Schriftsteller Erich Kästner liest Thomas Jahn gern seiner Tochter Clara (3) vor. Sie bauen zum Beispiel ihr Rathaus ohne Fenster, müssen das Licht mit Säcken hineintragen. Doch sind die Schildbürger wirklich so dumm? Entdeckt es selbst in Schildau (bei Belgern), das sich als Herkunftsort der Schildbürger rühmt. Jahn: "Empfehlenswert sind das Schildbürgermuseum und der Schildbürgerwanderweg, der anhand von zwölf Bildtafeln die Geschichten der Schildbürger zeigt. Oder Sie planen eine Wander- oder Radtour durch die Dahlener Heide."

Torgau und Mulde

Wasserwandern auf der Zwickauer Mulde: Schlauchboottouren Richtung Wechselburg starten an der Muldebrücke in Waldenburg.
Wasserwandern auf der Zwickauer Mulde: Schlauchboottouren Richtung Wechselburg starten an der Muldebrücke in Waldenburg.  © Andreas Kretschel

• Jahns fünfter Buchtipp ist der amüsante Regionalkrimi "Elbgold" von Eckhard Bruns. Ein Ex-Kriminalkommissar mit Resthumor findet auf seiner Reise des Vergessens am nordsächsischen Elberadweg zufällig ein Skelett - letzte Überreste eines 500 Jahre alten Mordes. Quasi als Bonusmaterial bietet das Buch einen Einblick in die spätmittelalterliche Vergangenheit der Region - vom Hofnarren Claus Narr über die Torgauer Geharnischten bis zur Schlacht bei Mühlberg. Da passen Jahns Reisetipps perfekt zur Krimi-Gegend: "Besuchen Sie die Landesgartenschau und Schloss Hartenfels in Torgau! Radler biegen auf den Torgischen Radweg ab. Wanderer machen sich auf zum Rundweg um den Großen Teich südlich von Torgau."

• Im Erzählband "Muldental" skizziert Autorin Daniela Krien das Schicksal von Menschen aus dem Muldental, deren Leben an einem Kontrapunkt der Geschichte ins Wanken gerieten - der friedlichen Revolution der Wende. Thomas Jahn kennt die passenden touristischen Highlights der Roman-Region: "Man kann die Schlösser und Burgen entlang der Mulde sowie beispielsweise die historischen Städte Grimma und Wurzen entdecken. Außerdem lässt es sich auf der Mulde wasserwandern, auf dem Mulderadweg radeln oder man erkundet den Muldentalwanderweg auf Schusters Rappen."

+++ Lese-Tipps +++

Lohnt immer einen Aufstieg: das 91 Meter hohe Leipziger Völkerschlachtdenkmal.
Lohnt immer einen Aufstieg: das 91 Meter hohe Leipziger Völkerschlachtdenkmal.  © imago/Sylvio Dittrich

Mit besten Grüßen von Lektoren der Städtischen Bibliotheken Dresden: Buch-Tipps aus der Region.

• Erich Loest - Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal als Dreh- und Angelpunkt deutscher Geschichte. Loest erzählt in 13 Kapiteln von Napoleon bis Erich Honecker und lässt zwei Jahrhunderte in Leipzig Revue passieren.

• Clemens Meyer - Die Nacht der Lichter

Schon der Titel ist eine Einladung, durch das nächtliche Leipzig zu spazieren. In eindringlichen Geschichten erzählt der prominente Leipziger Autor Clemens Meyer von Nachtgestalten und ihren Träumen und Illusionen.

• Christof Hein - Verwirrnis

Leipzig als Studentenstadt in den 1950er-Jahren: Der Roman über die unmögliche Liebe von Wolfgang und Friedeward, die aus dem katholischen Eichsfeld ins weltoffene Leipzig kamen, zeichnet ein eindringliches Bild vom Studentenleben in dieser Zeit.

Titelfoto: Ralf Seegers

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