Magdeburg - Es gab selten ein so umstrittenes Projekt am Theater Magdeburg: Ende Mai feiert das Schauspiel "Wunde Stadt" Premiere und soll sich mit den Folgen des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt beschäftigen.
Die Pläne, der Todesfahrt und ihren Folgen ein Theaterstück widmen zu wollen, gab es schon länger. Das Theater Magdeburg feiert am 23. Mai die bereits restlos ausverkaufte Premiere im großen Saal des Schauspielhauses.
Am 9. November 2025 - einen Tag vor Beginn des Prozesses um den Anschlag - versammelten sich einige Dutzend Menschen vor dem Opernhaus, um gegen das Stück zu demonstrieren. Dabei wurden auch rechtsextreme Banner und Zeichen gezeigt.
Trotzdem hält das Theater weiter an dem Projekt fest. Immerhin soll "weder die Tat nachgespielt noch dem Täter eine Bühne geboten werden", teilte das Vierspartenhaus am Mittwoch mit.
Der vom Theater Magdeburg beauftragte Autor von "Wunde Stadt", Kevin Rittberger, begleitete Betroffene des Anschlags über ein Jahr und möchte dort auch den Fokus legen, hieß es. "Rittberger verknüpft seine Bestandsaufnahme mit weiteren Wunden der Stadt und wagt einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft."
Regie führt Sebastian Nübling, der sich auf die Bearbeitung
gesellschaftlich relevanter Themen spezialisiert hat und mit "der nötigen Sensibilität und künstlerischen Freiheit gleichermaßen" an die Inszenierung herangehen will.
Am 20. Dezember 2024 raste der Saudi-Araber Taleb A. (51) mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Er tötete sechs Menschen, darunter auch ein Kind, und verletzte über 300.
Der Prozess gegen den 51-Jährigen läuft voraussichtlich noch bis Mitte März und wäre somit vor der Premiere von "Wunde Stadt" beendet.