Nach Verlegung und Absage: Arne Semsrott soll doch in Magdeburger Stadtbibliothek lesen
Von Inga Jahn
Magdeburg - Autor und Aktivist Arne Semsrott (38) soll nächste Woche nun doch in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem neuen Buch vorlesen.
"Wir können Ihnen bestätigen, dass es eine Lesung mit Arne Semsrott als Matinee am 6. Juni um 11 Uhr in der Stadtbibliothek Magdeburg geben wird", sagte Stadtsprecher Michael Reif auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Die Lesung war von der Stadtbibliothek der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt worden. Semsrott hatte das scharf kritisiert. Zuvor hatte die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet.
Ursprünglich war eine Lesung aus Semsrotts neuem Buch "Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück" für den 5. Juni in der Stadtbibliothek der Landeshauptstadt angekündigt worden. Dann wurde sie in den Moritzhof verlegt.
Dort treten nach Angaben des Hauses die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Verein "Miteinander" als Veranstalter auf.
Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die parteinahe Stiftung der Grünen.
Borris will zu Lesung kommen
Eine Matinee ist eine kulturelle Veranstaltung, die am Vormittag stattfindet. Dass Semsrott nun doch in der Stadtbibliothek lesen wird – wenn auch einen Tag später als geplant –, sei "Ergebnis eines Gespräches zwischen Oberbürgermeisterin Simone Borris und Arne Semsrott", erklärte Reif.
Die parteilose Politikerin (63) wolle die Veranstaltung auch besuchen, kündigte der Sprecher an.
Im Streit um die verlegte Lesung hatte Semsrott der Oberbürgermeisterin zuvor politische Einflussnahme vorgeworfen. Die Verlegung bezeichnete er als eine "Ausladung".
Der Autor vermutete hinter der Entscheidung politischen Druck. Er gehe "sehr stark davon aus", dass die Diskussion mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat mit einer früheren Lesung zusammenhänge.
Oberbürgermeisterin Borris hatte die Vorwürfe des 38 Jahre alten Hamburgers zurückgewiesen. "Eine Entscheidung oder Weisung meinerseits, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu untersagen oder die Kooperation der Stadtbibliothek zu beenden, hat es nicht gegeben", hatte sie in einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats gesagt.
Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

