Schockierend: So kann ein einziger Zigarettenstummel die Umwelt gefährden

Von Gina Gadis

Frankfurt am Main - Fünf Minuten Pause, warten auf den Bus oder der Partybesuch - für viele gehört die Zigarette zu solchen Momenten einfach dazu. Dass Rauchen nicht besonders förderlich für unsere Gesundheit ist, weiß jeder. Doch wie steht es um die Ökobilanz des Lungenfutters? Und wie kann man, wenn man schon raucht, das Ganze möglichst umweltfreundlich gestalten? Ich habe für Euch recherchiert und die besten Tipps zusammengetragen.

Trauriger Alltag auf deutschen Straßen: Zigarettenstummel liegen überall auf dem Boden verteilt herum, anstatt im Mülleimer zu landen (Symbolbild).
Trauriger Alltag auf deutschen Straßen: Zigarettenstummel liegen überall auf dem Boden verteilt herum, anstatt im Mülleimer zu landen (Symbolbild).  © Unsplash.com/Pawel_Czerwinski

4,5 Billionen Zigarettenstummel landen schätzungsweise jährlich in der Umwelt, damit sind Kippen der am meisten weggeworfene Gegenstand. Eigentlich nicht sonderlich überraschend, wenn man sich überlegt, dass es das Wegschnipsen von Kippen tatsächlich geschafft hat, gesellschaftlich völlig akzeptiert zu sein.

Und obwohl sich laut Statistik 82 Prozent der deutschen Bürger von achtlos weggeschnipsten Kippen gestört fühlen und es in vielen Städten Bußgelder dafür gibt, ist es eine Seltenheit, dass die Leute darauf hingewiesen werden. Selbst wenn der Mülleimer direkt daneben steht, wird die Kippe aus Macht der Gewohnheit einfach fallen gelassen. Was danach damit passiert, ist vielen nicht bewusst.

Nikotin, Arsen, Schwermetalle sind nur einige der 7000 Chemikalien, die sich im Zigarettenstummel befinden und nun durch Zerfall und Regen in unsere Umwelt gelangen können. Davon gelten 250 als toxisch und 100 sogar als krebserregend. Nicht nur, dass Tiere die Filter mit Essen verwechseln und daran ersticken können, selbst die austretenden Chemikalien können lebensbedrohlich für sie sein. So ist alleine ein einziger Zigarettenstummel in der Lage 40 Liter Wasser zu kontaminieren.

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Durch die Kompaktheit des Kunststoffes Celluloseacetat (ja Filter bestehen aus Plastik) und den Acetyl-Molekülen im Filter kann dieser nur sehr langsam und nur unter bestimmten Bedingungen abgebaut werden. Wir sprechen hier von zehn bis 15 Jahren! Diese kleine Chemiebombe verschwindet also nicht einfach so im Nichts.

Doch leider wird durch die Entsorgung der Zigarettenstummel nicht nur die Ökobilanz drastisch verschlechtert. Auch die Herstellung lässt einem die Fußnägel hochrollen. Für den Tabakanbau werden Wälder gerodet, die Böden werden unfruchtbar, alleine durch die Herstellung und Verarbeitung entsteht eine unglaubliche Umweltverschmutzung, Milliarden Liter Wasser werden verbraucht und zu guter Letzt arbeiten auch noch in vielen Ländern Kinder auf den Tabakplantagen.

Kaufe Tabak in Dosen: So kannst du ihn in Einweggläsern oder ähnlichem lagern, Geld sparen und die Umwelt schonen (Symbolbild).
Kaufe Tabak in Dosen: So kannst du ihn in Einweggläsern oder ähnlichem lagern, Geld sparen und die Umwelt schonen (Symbolbild).  © 123RF

Auf all das kann natürlich verzichtet werden, indem man einfach nicht raucht. Wer sich aber trotzdem nicht von der Zigarette trennen kann, sollte wenigstens versuchen das Rauchen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.

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Schon beim Einkaufen kannst Du Geld sparen und Einfluss auf die „Umweltverträglichkeit“ deines Rauchverhaltens nehmen, indem Du dich für selbstgedrehte Zigaretten statt Fertigkippen entscheidest. So kannst Du Tabak in großen Vorratspackungen aus Pappe kaufen und diesen zu Hause in ein Glas (beispielsweise Alte Einweggläser) abfüllen, um ihn so länger frisch zu halten.

Mittlerweile gibt es auch tierversuchsfreien Naturtabak ohne Zusätze, genauso wie Filter, die biologisch abbaubar sind und ungebleichtes, dünnes Zigarettenpapier ohne Magnet- oder Gummizugverschluß, sprich unnötigen Abfall.

Auch zum klassischen Plastikfeuerzeug gibt es nachhaltige Alternativen. So lässt man ein gutes Zippo mit Sicherheit nicht einfach irgendwo liegen und sorgt schon aus Kostengründen dafür, dass das Feuerzeug weiterhin funktioniert und nicht verloren geht. Das gleiche gilt für sogenannte Lichtbogenfeuerzeuge - die Elektroautos unter den Feuerzeugen. Am umweltfreundlichsten sind jedoch Zündbriefchen aus Recyclingkarton.

Beim Rauchen selbst solltest Du definitiv nicht auf den Boden aschen. Viele glauben Asche wäre eine Art Dünger, aber schon der Tabak alleine enthält viele Schadstoffe, die schlecht für die Umwelt sind. Asche gehört ordnungsgemäß im Restmüll entsorgt.

Apropos Entsorgen: selbstverständlich gehört die Zigarette in den Mülleimer! Aber auch ohne Mülleimer in der Nähe gibt es ein paar einfache Optionen.

Ein "Taschenascher" ist klein und handlich, kann sogar an ein Halsband oder den Schlüssel gehängt werden und vermeidet Zigarettenstummel auf dem Boden (Symbolbild).
Ein "Taschenascher" ist klein und handlich, kann sogar an ein Halsband oder den Schlüssel gehängt werden und vermeidet Zigarettenstummel auf dem Boden (Symbolbild).  © 123RF

Besorge Dir einen "Taschenascher"! Diese kleinen Gefäße gibt es mittlerweile in allen möglichen Formen, am praktischsten sind wahrscheinlich die mit Schlüsselanhänger-Funktion, somit kann der Taschenascher weniger schnell vergessen werden.

Genauso kannst Du aber auch eine alte Bonbon-Dose oder ein kleines Einwegglas verwenden. Ansonsten kann man die Zigarettenstummel aber auch einfach unter die Folie um die Zigarettenschachtel schieben, bis man den nächsten Mülleimer gefunden hat.

Mit gutem Beispiel vorangehen kann jeder von uns und vielleicht fühlst Du dich ja auch ermutigt, diese Argumente und Tipps weiterzutragen. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen den nächsten "Wegschnipser" einfach mal freundlich darum zu bitten, die Zigarette ordentlich zu entsorgen oder den störenden Stummel in den Mülleimer zu werfen, anstatt immer nur wegzuschauen.

P.S.: Im Übrigen gibt es mittlerweile schon Möglichkeiten Zigarettenstummel zu recyceln. So verwertet TobaCycle laut eigenen Angaben 100 Prozent der Überreste und macht daraus neue Aschenbecher. Die Firma holt die Zigarettenstummel kostenfrei im Kölner Raum ab und sucht derzeit noch dringend helfende Hände - im privaten wie auch gewerblichen Bereich - die sie bei der Verbreitung des Systems unterstützen.

Bis dahin, kann man ihnen den Aschenbecherinhalt auch einfach per Post schicken.

Über die Kolumnistin

Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.
Gina Gadis engagiert sich für Umweltschutz.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs. Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihre Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik und schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

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