Energiekrise und hohe Preise: Droht der Gesellschaft eine Zerreißprobe?

Potsdam - Die drohende Energiekrise und stark gestiegene Verbraucherpreise werden aus Sicht des Soziologen Ortwin Renn (70) verstärkten Protest in der Bevölkerung auslösen.

Der Soziologe Ortwin Renn (70) befürchtet im kommenden Herbst und Winter eine Zerreißprobe für die Gesellschaft, insbesondere wenn mehrere Krisen auf einmal einträten.
Der Soziologe Ortwin Renn (70) befürchtet im kommenden Herbst und Winter eine Zerreißprobe für die Gesellschaft, insbesondere wenn mehrere Krisen auf einmal einträten.  © Wolfgang Kumm/dpa

Sieben bis 15 Prozent der Menschen in Deutschland seien sehr unzufrieden mit der Politik insgesamt, das habe unter anderem die Corona-Krise gezeigt, sagte der Direktor am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur.

"Diese Gruppe wird das nutzen und den Protest verstärken." Auf die Frage, inwieweit der soziale Frieden in Gefahr sei, sagte er: "In jedem Fall ist es eine Zerreißprobe".

Auch Politiker hatten bereits Befürchtungen geäußert, dass es zur Mobilisierung von Protesten kommen könnte.

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Wenn im Herbst und Winter möglicherweise gleich mehrere Krisen auf einmal einträten - Inflation und Energiekrise, Corona-Krise und Auswirkungen des Klimawandels - überfordere das viele Menschen mental.

Risikoforscher: Politik muss Maßnahmen sozial ausgewogen gestalten

Hohe Energie- aber auch Verbraucherpreise lassen den Unmut in der Bevölkerung zusehends steigen.
Hohe Energie- aber auch Verbraucherpreise lassen den Unmut in der Bevölkerung zusehends steigen.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

"Das macht die Sache wirklich kritisch", sagte der Risikoforscher. Die Bereitschaft, den Gürtel enger zu schnallen, sei aber bei der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger da.

Sollte im Falle weiter einbrechender Lieferungen Gas rationiert werden müssen, "dann stellen sich Gerechtigkeitsfragen", sagte Renn mit Blick auf die Energieversorgung für Haushalte und die Industrie.

Die Politik müsse frühzeitig transparent machen, was sie plane und ihre Maßnahmen sozial ausgewogen gestalten.

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Die Regierungschefs der Länder müssten jetzt alle an einem Strang ziehen. "Die Menschen erwarten, dass man sich nicht auf Kosten der Krise profiliert."

Titelfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa, Wolfgang Kumm/dpa (Bildmontage)

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