"Nur eine Sense": Hetzt hier eine transsexuelle Grünen-Politikerin gegen Frauen?

Stuttgart - Die Stuttgarter Grüne Maike Pfuderer dürfte den meisten durch ihre Streitigkeiten mit Tübingens OB Boris Palmer (49, Grüne) bekannt sein. Nun erhitzt sie deutschlandweit die Gemüter.

Boris Palmer (49, Grüne) bekam über lange Zeit den Unmut von Maike Pfuderer (r.) auf seinem Facebook-Account zu spüren.
Boris Palmer (49, Grüne) bekam über lange Zeit den Unmut von Maike Pfuderer (r.) auf seinem Facebook-Account zu spüren.  © Montage: Bernd Weißbrod/dpa, Screenshot Instagram.com/Maike Pfuderer

Doch der Reihe nach: Die schwäbische Grünen-Politikerin sorgte lange Zeit auf Palmers Facebook-Seite für Wirbel, hinterließ sie doch wiederholt gepfefferte Kommentare unter den Beiträgen des 49-Jährigen.

Die Sache eskalierte im Sommer 2020, als Deutschlands wohl bekanntester Rathauschef über die transsexuelle Grüne schrieb: "Ich kenne ihn gar nicht" und "Wie spricht man Pfuderer korrekt an?".

"Soweit ich weiß, war Reinhard Pfuderer ein Mann, als ich in Stuttgart OB-Kandidat war", ließ er zudem wissen. Damit war für Pfuderer das Maß voll, eine Anzeige folgte.

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Die Transfrau sah einen Verstoß gegen §5 des Transsexuellengesetzes (Offenbarungsverbot) gegeben, fühlte sich zudem durch Palmers Äußerungen beleidigt und herabgewürdigt, wie sie gegenüber der Stuttgarter Zeitung angab.

Palmer selbst hatte der Beleidigungs-Anzeige schon im Vorfeld keinerlei Chance prophezeit - und so kam es letztlich auch.

Denn der OB von Tübingen postete auf seiner Facebook-Seite ein Schreiben der Staatsanwaltschaft. "Es hat sich herausgestellt, dass Sie unschuldig sind", heißt es in dem Brief an den Grünen-Politiker. Und: Auch eine Strafbarkeit wegen Beleidigung scheide aus.

In den Augen der Staatsanwaltschaft sei es "höchst fraglich, ob in der bloßen Erwähnung des früheren Vornamens der Anzeigeerstatterin und der Bezugnahme als 'ihn' bereits eine Missachtung, Nichtachtung oder Geringschätzung der Betroffenen zum Ausdruck kommt". Die Kommentare mögen deshalb zwar taktlos und unhöflich sein, "erreichen aber kaum die Grenze einer strafbaren Beleidigung".

Sensenmann-Posting sorgt für Wirbel

Zog auf einem Frauenquotenplatz in den Bundestag ein: Tessa Ganserer (44, Grüne), juristisch ein Mann.
Zog auf einem Frauenquotenplatz in den Bundestag ein: Tessa Ganserer (44, Grüne), juristisch ein Mann.  © Daniel Karmann/dpa

Nun spulen wir rund zwei Jahre vor - und Maike Pfuderer sorgt wieder für Wirbel. Diesmal jedoch deutschlandweit. Auf Twitter.

Alles begann mit einem Posting der Politikerin auf der Plattform Instagram. Dort lud sie ein Bild hoch. Darauf zu sehen: Ein Sensenmann, dazu folgender Text: "So viele TERF und nur eine Sense." Unter dem Bild ließ sie wissen: "Das ist Notwehr!"

Die Abkürzung (manche würden sagen: Beleidigung) TERF steht für "Trans-Exclusionary Radical Feminism", zu Deutsch also "Trans-ausschließender radikaler Feminismus".

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Nun muss man wissen, dass etwa das von Grünen und FDP geplante Selbstbestimmungsgesetz, welches das bisherige Transsexuellengesetz ablösen soll, unter Feministinnen heiß debattiert wird.

Nicht wenige finden, dass biologische Männer nichts in Frauenräumen wie Umkleiden oder Duschen zu suchen hätten. Auch der Einzug der transsexuellen Grünen-Politikerin Tessa Ganserer (44) auf einem Frauenquotenplatz hatte in diesen Kreisen für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt, war unter anderem Inhalt eines oft geteilten EMMA-Artikels.

Diese Kritikerinnen bekommen schnell das Siegel TERF ab. In der jüngeren Vergangenheit war damit unter anderem die Bestseller-Autorin J.K. Rowling (56, "Harry Potter"-Reihe) bedacht worden, die aufgrund ihrer Äußerungen zum Thema (Trans-) Gender auch schon Morddrohungen erhielt.

Zwar hat Pfuderer (ist bei den Grünen Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Lesbenpolitik) das umstrittene Posting inzwischen gelöscht, aber es gilt die alte Regel: Das Internet vergisst nichts.

Und so verbreitete sich das Bild insbesondere auf Twitter weiter. Schnell war dabei Feuer unterm Dach!

Userin fragt Grüne: "Ist Euch das nicht peinlich?"

Erhielt bereits Morddrohungen: Bestseller-Autorin J.K. Rowling (56).
Erhielt bereits Morddrohungen: Bestseller-Autorin J.K. Rowling (56).  © Dominic Lipinski/PA Wire/dp

So schrieb eine Userin erbost zum Sensenmann-Bild: "Transfrau Maike Pfuderer von den Grünen postet solche Pics auf ihrem Insta-Kanal. Wie tief kann man sinken?" Und fragte Pfuderers Partei: "Ist Euch das nicht peinlich?"

Eine andere Nutzerin notierte: "Für Ahnungslose: TERF ist ein frauenfeindliches Schimpfwort. Nur Frauen werden als TERF beschimpft. Alle möglichen Frauen können TERF sein. Es reicht, die falsche Frage zu stellen. TERFs sind v.a. Frauen und Lesben, die Männer nicht als Frauen anerkennen." Letzteres ein Hieb gegen Transfrauen.

Auf ihrer Instagram-Seite hat Pfuderer das Posting wie gesagt gelöscht, legt aber fleißig gegen radikale Feministinnen nach. "TERF, Nazis und Rassisten sowie alle anderen gruppenbezogenen Menschenfeinde müssen draußen bleiben!", heißt es dort etwa.

In einem anderen Beitrag (bebildert mit dem Slogan "No TERF") schreibt sie am gestrigen Sonntag: "Hallo TERF, hallo RadFems in Eurem blinden, faschistoid ausgelegten Hass seid Ihr es, die frauenfeindlich sind. Nicht die, die Euch TERF nennen."

"Hör endlich auf als deutsche Person, Radfems als Faschisten zu betiteln, obwohl Radikalfeminismus unvereinbar mit Faschismus ist!", zeigt sich eine Nutzerin darunter wütend. Und an anderer Stelle befindet sie: "Ein biologischer Mann hat biologischen Frauen außerdem rein gar NICHTS über Misogynie zu sagen."

Ob das Thema sich damit erledigt hat? Das darf bezweifelt werden, auch am Montag liefen auf Twitter zahlreiche, erhitzte Kommentare zu Pfuderers Äußerungen ein...

Titelfoto: Montage: Screenshot Instagram.com/Maike Pfuderer, Screenshot Twitter.de/Sapph_o_tage

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