"Schwules Arschloch", "Wichser": Darum schlägt Boris Palmer solcher Hass entgegen

Tübingen - Deutschlands wohl bekanntestes Stadtoberhaupt, Boris Palmer (47, Grüne), hat sich in den zurückliegenden Wochen intensiv mit dem Coronavirus und der Krise befasst. Seine Aussagen schmeckten nicht jedem.

Boris Palmer beschäftigt sich seit Wochen mit den Auswirkungen der Corona-Krise.
Boris Palmer beschäftigt sich seit Wochen mit den Auswirkungen der Corona-Krise.  © Christoph Soeder/dpa

So hatte der 47-Jährige etwa angeregt, die Jungen wieder zur Arbeit zu schicken, während die Älteren daheim isoliert werden sollten (TAG24 berichtete). Daraufhin wurde ihm vielfach vorgeworfen, die Gesellschaft zu spalten und altenfeindlich zu sein.

Auch seine jüngsten Äußerungen zu möglichen Rentenkürzungen wegen der Corona-Krise sorgten für ein ordentliches Maß an erbosten Kommentaren (TAG24 berichtete).

Nun meldete sich Palmer erneut auf seiner Facebook-Seite zu Wort. Und gewährte Einblicke in das, was ihm aufgrund seiner Äußerungen an Beschimpfungen ins Tübinger Rathaus flattert.

Am Montag postete er das Foto einer Postkarte, adressiert an ihn. Absender: "Tonny Ahlers" und "Karl Josef Silberbaum". 

Dazu muss man wissen: Ahlers war ein niederländischer Nazi und Geschäftspartner von Otto Frank, dem Vater von Anne Frank, die 1945 im KZ Bergen-Belsen starb. 

Mit Silberbaum wollten die Urheber wohl auf Karl Josef Silberbauer hinaus. Der Österreicher war SS-Oberscharführer und verhaftete Anne Franks Familie 1944 in Amsterdam.

Mit Maschine getippt steigen die Autoren des Briefes direkt maximal beleidigend ein. "Du schwules Arschloch willst ältere Menschen wegsperren?", ist da zu lesen. "Dann fang' mal an mit Helmut und Erika!" Helmut Palmer (genannt der "Remstal-Rebell") war der Vater des 47 Jahre alten Oberbürgermeisters, Erika ist seine Mutter.

"Wichser wie Du sollten vor ein Standgericht"

Palmer hatte wiederholt angeregt, dass Jüngere wieder zur Arbeit und Ältere daheim isoliert werden sollten.
Palmer hatte wiederholt angeregt, dass Jüngere wieder zur Arbeit und Ältere daheim isoliert werden sollten.  © Sebastian Gollnow/dpa

Dann ergehen sich die Briefschreiber in obszönen Gewaltfantasien: "Wichser wie Du sollten vor ein Standgericht und gevierteilt werden und ab in die Gülle, Du Dreckschwein!"

Der deutschlandweit bekannte Grüne schrieb dazu: "Mittlerweile täglich solche Nachrichten." In Krisen zeige sich der Charakter der Menschen besonders deutlich. Positiv wie negativ.

Und dann gewährt Palmer persönliche Einblicke: "Mein Vater ist 14 Jahre tot. Er wäre jetzt 89. Meine Mutter ist 79 und lebt zum Glück noch." Damit das so bleibe, verlasse sie das Haus nicht mehr. Sohn und Mutter hätten nur noch Kontakt über Skype.

"Denn ich muss raus und könnte das Virus einschleppen. Das wäre für meine Mutter mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. Das könnte ich mir niemals verzeihen", schreibt der OB. "Also bleibt es bei Kontakt über virusfreie Verbindungen."

Angesichts der widerwärtigen Beschimpfungen waren die User unter Palmers Beitrag einigermaßen schockiert. "Wirklich erschütternd, wie tief Menschen verbal fallen können", schrieb etwa eine Nutzerin. Andere rieten Palmer gar dazu, Strafanzeige zu stellen.

Der Grüne bekam in den Kommentaren auch jede Menge aufbauende Worte zu hören. Etwa: "Bleiben Sie stark, Herr Palmer!" oder "Nicht ernst nehmen! Wer so schreibt und denkt, ist einfach nur krank und unzurechnungsfähig!"

Titelfoto: Montage: Screenshot Facebook.de/Boris Palmer, Christoph Soeder/dpa

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