Krach in der Linkspartei: Sahra Wagenknecht von Montagsdemo ausgeladen

Leipzig - Für den kommenden Montag (5. September, 19 Uhr) mobilisiert die Partei Die Linke für eine sogenannte "Montagsdemonstration" gegen die geplante Gasumlage der Bundesregierung in Leipzig. Davor läuft in der Linkspartei offenbar ein knallharter Machtkampf hinter den Kulissen ab: Die prominente Politikerin Sahra Wagenknecht (53) wurde als Rednerin zu der Demo erst ein- und dann wieder ausgeladen.

Die Links-Politikerin Sahra Wagenknecht (53) ist ebenso populär wie umstritten: Ihre Kritiker werfen ihr unter anderem vor, dass sie sich mitunter rechtspopulistischen Positionen annähere.
Die Links-Politikerin Sahra Wagenknecht (53) ist ebenso populär wie umstritten: Ihre Kritiker werfen ihr unter anderem vor, dass sie sich mitunter rechtspopulistischen Positionen annähere.  © Kay Nietfeld/dpa

Dies berichtete "Der Spiegel" auf seiner Website. Demnach bestätigte Wagenknechts Büro gegenüber dem Magazin die erfolgte Ein- und Ausladung zu der von dem Leipziger Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann (45, Die Linke) initiierten Protestkundgebung auf dem Augustusplatz in Leipzig.

Wie es weiter heißt, ist offenbar völlig unklar, auf wen die Ausladung Wagenknechts zurückgeht. Dem Spiegel liegt aber eine SMS der 53-Jährigen vor, welche diese offenbar an ihre Unterstützer verschickt hat und in welcher sie die Führung der Linkspartei für ihren Ausschluss von der Rednerliste verantwortlich macht.

Die Ausladung von der Demonstration in Leipzig sei "auf Druck des Karl-Liebknecht-Hauses" (die Bundesgeschäftsstelle der Linken, Anm. d. Red.) zustandegekommen.

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Fakt ist: Das Verhältnis von Sahra Wagenknecht und den im Juni ins Amt gewählten Parteivorsitzenden der Linkspartei, Janine Wissler (41) und Martin Schirdewan (47), kann wohl als zerrüttet angesehen werden. Die 53-Jährige hatte die Wahl von Wissler und Schirdewan öffentlich mit den Worten "Never change a losing team" ("Wechsel nie ein Verlierer-Team") scharf kritisiert.

Ob allerdings die Ausladung Wagenknechts tatsächlich auf Betreiben der Parteispitze zurückgeht, ist keineswegs sicher.

Kündigt Sahra Wagenknecht ihren Rückzug aus der Partei Die Linke an?

Die Partei Die Linke musste zuletzt deutliche Stimm-Verluste bei mehreren Wahlen hinnehmen.
Die Partei Die Linke musste zuletzt deutliche Stimm-Verluste bei mehreren Wahlen hinnehmen.  © Christoph Soeder/dpa

In der vom Spiegel zitierten SMS greift Wagenknecht zudem Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (66, Die Linke) an: Es sei schon das zweite Mal, dass dieser sie "als Putin-Propagandisten bezeichnet und in einem Atemzug mit Höcke" genannt habe.

Wagenknecht war wiederholt in die Kritik geraten, weil sie etwa der Bundesregierung von SPD, Grünen und FDP vorwirft, dass diese vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges einen "Wirtschaftskrieg" gegen Russland führe. Auch wird der 53-Jährigen von ihren Kritikern oft vorgeworfen, sie nähere sich rechtspopulistischen Positionen an, worauf vermutlich der Verweis auf den rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke (50) zielt.

"Natürlich kann man das alles widerspruchslos hinnehmen. Man darf sich dann nur nicht beschweren, wenn zumindest ich mit diesem Laden nichts mehr zu tun haben will", zitiert "Der Spiegel" eine weitere Aussage aus der SMS von Wagenknecht. Kündigt sie damit womöglich ihren Rückzug aus der Partei an?

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Gegenwärtig kann hierüber nur spekuliert werden. Ihr Ehemann, der 78-jährige Ex-Politiker Oscar Lafontaine, vollzog diesen Schritt bereits im März.

Was dafür spräche: Schon der Parteitag der Linken im Juni stand unter dem Zeichen des Machtkampfes zwischen dem Lager um Sahra Wagenknecht und anderen Flügeln der Linkspartei. Allgemein wurde der Verlauf des Parteitags als Niederlage für das Wagenknecht-Lager angesehen.

Nach dem Ende des Parteitages gab es bereits Gerüchte, dass die 53-Jährige womöglich die Gründung einer eigenen Partei in Betracht zieht – eventuell ist ihre Äußerung in der SMS ein weiteres Zeichen in diese Richtung.

Die Linke schließt Rechte und Querdenker von Montagsdemo in Leipzig aus

Die für den kommenden Montag geplante Demonstration in Leipzig ist Teil einer ganzen Protest-Kampagne, welche die Partei Die Linke für den Spätsommer und Herbst angekündigt hat. Am gestrigen Montag stellte Janine Wissler erste Pläne für diesen "heißen Herbst" in einer Pressekonferenz vor.

Umstritten ist dabei die Bezeichnung der kommenden Demo in Leipzig als sogenannte "Montagsdemonstration", da dieses Label zuletzt auch von Corona-Leugnern (sogenannten "Querdenkern") und Rechten benutzt wurde. Die politische Rechte kündigte zudem ebenfalls Protest-Aktionen gegen die Gasumlage an.

Vor diesem Hintergrund ist vermutlich eine Aussage auf der Website der Linkspartei zur Ankündigung der Demo in Leipzig zu verstehen. Dort heißt es wörtlich: "Da für uns die soziale Frage keine nationale ist, werden Rassisten, Nationalisten und Querdenker sowie deren Fahnen und Transparente vom Platz gestellt."

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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