Nach Blackout in Berlin: Kai Wegner unter Druck – "Strom darf ausfallen, der Regierende nicht"

Berlin - Nach dem Stromausfall in Berlin hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) im Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgegeben.

Bei seiner Regierungserklärung äußerte sich Kai Wegner (53, CDU) zu geplanten Maßnahmen zur Sicherung der kritischen Infrastruktur Berlins.
Bei seiner Regierungserklärung äußerte sich Kai Wegner (53, CDU) zu geplanten Maßnahmen zur Sicherung der kritischen Infrastruktur Berlins.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der RBB übertrug die Plenarsitzung ab 10 Uhr im Livestream.

Nach dem Stromausfall am 3. Januar im Südwesten Berlins, infolge eines mutmaßlich linksextremistischen Anschlags, spricht der Regierende Bürgermeister Kai Wegner von einer "Zäsur für Berlin".

Sein erklärtes Ziel ist es nun, Berlin krisenfester aufzustellen. Wegner lobte das Krisenmanagement, da die Stromversorgung rund anderthalb Tage schneller wiederhergestellt werden konnte als erwartet. Dennoch müsse der Vorfall umfassend ausgewertet werden.

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"Für mich ist wichtig, jetzt die Lehren zu ziehen, die uns stärker machen", sagte Wegner. Berlin solle zur "Modellstadt für Krisenfestigkeit" werden. Dafür stellte er einen Fünf-Punkte-Plan vor.

Deutliche Worte fand der Regierende Bürgermeister beim Thema Extremismus. "Wir müssen es beim Namen nennen: Der Linksextremismus ist mit einer neuen Qualität zurück in Berlin – in ganz Deutschland." Der Linksfraktion und den Grünen warf er vor, sich aus vermeintlichen Wahlkampfgründen nicht klar genug abzugrenzen.

Wegner äußert sich zurückhaltend zum Tennis-Eklat

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD) und Regierender Bürgermeister Kai Wegner während der Plenarsitzung.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (47, SPD) und Regierender Bürgermeister Kai Wegner während der Plenarsitzung.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Im Fokus stehe nun die Sicherung der kritischen Infrastruktur. Das Stromnetz Berlin soll stärker überwacht werden, insbesondere durch den Ausbau der Videoüberwachung. Auch die Absicherung des Mobilfunknetzes sowie Überprüfungen bei S-Bahn und BVG kündigte Wegner an.

Zugleich warnte er vor "zu viel Transparenz". Sensible Daten zum Stromnetz dürften nicht offengelegt werden, hierfür brauche es strengere Regeln auf Bundes- und EU-Ebene. Zudem forderte Wegner erweiterte digitale Befugnisse für Sicherheitsbehörden, unter anderem zur längeren Speicherung von IP-Adressen und zur besseren Identifizierung.

Zum Abschluss dankte Wegner den Einsatzkräften, der Feuerwehr, Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Helfern. Sein größter Dank galt den Berlinerinnen und Berlinern.

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"Zusammenhalt ist der Geist, der unsere Stadt trägt", sagte er. Zum Tennis-Eklat äußerte sich Wegner zurückhaltend: Er hätte früher klarstellen müssen, dass er Tennis gespielt habe, entschuldigte sich jedoch nicht.

Kritik der Opposition: "Strom darf ausfallen, der Regierende nicht"

Werner Graf (46, Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte Kai Wegners Vorgehen während des Stromausfalls in Berlin.
Werner Graf (46, Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte Kai Wegners Vorgehen während des Stromausfalls in Berlin.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Scharfe Kritik kam von der Opposition. Grünen-Politiker Werner Graf (46) warf der Regierung vor, zu spät gehandelt zu haben. "Strom darf ausfallen, der Regierende nicht", sagte er. CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hielt dagegen und kritisierte Grüne und Linke dafür, den Linksextremismus nicht klar genug zu benennen. Dies sei der "Steigbügel des Linksextremismus".

Die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) verurteilte den Anschlag ebenfalls scharf. "Nichts an diesem Anschlag ist links", betonte sie und warf Wegner zugleich Empathielosigkeit vor. Er habe die Gelegenheit zu einer Entschuldigung nicht genutzt. "Berlin kann sich keinen Wegner-Weltfremd leisten", sagte Eralp.

SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh (48) übte dagegen weniger persönliche Kritik am Regierenden Bürgermeister, bemängelte jedoch ein fehlendes Engagement des Bundes bei der Bewältigung und Aufarbeitung des Stromausfalls.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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