Wissenschaftler über Friedrich Merz: "Das ist irre! Der Mann muss da weggeholt werden!"

Frankfurt am Main - "Das ist irre! Der Mann muss da weggeholt werden! Der lebt in einer völlig anderen Welt" - mit diesen Worten echauffiert sich Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck (75) auf YouTube über Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU).

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) war am Dienstag zu Gast beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Dabei wurde der 70-Jährige ausgebuht.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Es sei "grandioser Unsinn", wenn der Kanzler davon spreche, dass in Deutschland die Löhne zu hoch seien, betont der ehemalige Chef-Volkswirt bei den Vereinten Nationen und frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium in dem Video, das am Freitag von dem in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main ansässigen "Westend Verlag" veröffentlicht wurde.

Flassbeck bezieht sich dabei auf die Rede, die Friedrich Merz unlängst beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin gehalten hat - und bei welcher der Kanzler von den Gewerkschaftern ausgebuht wurde.

Tatsächlich deutete der CDU-Bundesvorsitzende in dieser Rede an, dass er die Lohnkosten in Deutschland für zu hoch hält. In Reaktion auf die schon seit Jahren andauernde Schwächephase der deutschen Wirtschaft seien Reformen notwendig, und dabei richte er seinen Blick auch "auf den einen oder anderen Tarifvertrag", sagte der Kanzler wörtlich.

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Merz verteidigte zudem die vom Kabinett beschlossene Gesundheitsreform, die bei den Zuzahlungen für Medikamente wie auch bei der Mitversicherung von Ehepartnern deutliche Mehrbelastungen für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorsieht, also die Reallöhne (die Kaufkraft der Löhne) senkt.

Genau diese Reallöhne der Menschen sind es, auf die sich Heiner Flassbeck in seiner Wutrede bezieht.

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Heiner Flassbeck fordert Stärkung der Binnennachfrage durch höhere Löhne

Heiner Flassbeck (75) macht auf YouTube kein Hehl aus seiner Meinung zum Bundeskanzler und dessen Politik.  © Screenshot/YouTube/Westend Verlag

"Die letzten sieben Jahre hat es gar nicht gegeben, keine Reallohn-Erhöhung", betont der 75-Jährige. Auch in den Jahren davor seien die Erhöhungen der Reallöhne "extrem dünn" gewesen, "sie waren fast nicht vorhanden". Der Wissenschaftler bezieht sich dabei auf die Entwicklung der Durchschnittslöhne in Deutschland und deren jeweiliges Verhältnis zur Inflationsrate, also der allgemeinen Preissteigerung.

Flassbeck hält deshalb überhaupt nichts von der Idee, dass die Lohnkosten in Deutschland zu hoch seien, er bezeichnet diese Vorstellung als "unverantwortlich".

Der Wirtschaftswissenschaftler erklärt, dass es Merz und seiner Regierung darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erhöhen, um den Export zu steigern, also den Verkauf von Gütern ins Ausland. Doch dies sei eine "irrsinnige Idee".

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Dabei bezieht sich der 75-Jährige auf ein früheres YouTube-Statement.

Darin erklärte Heiner Flassbeck, dass die Fixierung auf den Export falsch sei, da die Nachfrage im Ausland aktuell einbreche, etwa wegen der Zollpolitik der US-Regierung. Stattdessen rät der Wirtschaftswissenschaftler dringend dazu, die Binnennachfrage in Deutschland zu stärken, also die Reallöhne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhöhen.

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