Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Probelauf mit Bagger geplant, Experten wenig optimistisch

Niendorf - Der gestrandete Buckelwal sitzt weiterhin auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) fest. Die Retter wollen einen Kanal für das Tier graben, der erste Versuch am Dienstag scheiterte jedoch.

Alle Rettungsversuche scheiterten bislang. Am Donnerstag soll ein größerer Saugbagger die Wende bringen.
Alle Rettungsversuche scheiterten bislang. Am Donnerstag soll ein größerer Saugbagger die Wende bringen.  © Ulrich Perrey/dpa

In der Nacht zu Montag war der Buckelwal wenige Meter vom Strand entfernt gestrandet. Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sind vor Ort und arbeiten gemeinsam mit der Feuerwehr an einer Lösung.

Am Montag hatten Retter immer wieder versucht, das Tier von einem Schlauchboot aus zum Schwimmen zu animieren.

Schiffe der Küstenwache fuhren an der Küste auf und ab, um künstlich Wellen zu erschaffen.

Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"
Ostsee Experte nach Strandung eines Buckelwals sicher: "Dieses Tier wird sterben"

Bislang führte keine der ergriffenen Maßnahmen zum Erfolg - am Donnerstag soll ein eigens angeforderter Saugbagger die Wende bringen.

25. März, 17.10 Uhr: Robert Marc Lehmann glaubt nicht an Rettung

Auch Carsten Manheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd hat sich gegenüber TAG24 verhalten zu den Überlebenschancen des Wals geäußert.

Dass das Tier den langen Weg zurück in den Atlantik angesichts seines Gesundheitszustandes finden und bewältigen könne, sei faktisch sehr unwahrscheinlich. Demnach sei der Wal selbst bei einem Erfolg der Saugbagger-Aktion "noch lange nicht gerettet".

Gleichzeitig betonte Manheimer, dass ein Rettungsversuch absolut sinnvoll sei, solange es der Zustand des Tieres laut den Experten vor Ort noch erlaube.

25. März, 16.27 Uhr: Robert Marc Lehmann glaubt nicht an Rettung

Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann, der laut eigener Aussage mittlerweile Teil des Expertenkomitees zur Rettung des gestrandeten Wals ist, hat auf Instagram über die geringen Erfolgschancen des Vorhabens gesprochen.

Demnach bedeute eine erfolgreiche Durchführung der geplanten Bagger-Aktion nicht, dass das Tier automatisch gerettet sei. Das sei erst der Fall, wenn der Buckelwal wieder bei guter Gesundheit zurück im Atlantik sei. "Die Chance darauf geht gegen null", verdeutlichte Lehmann.

Es sei viel wahrscheinlicher, dass das geschwächte Tier an einer anderen Stelle erneut strande, so der Meeresbiologe. Dennoch sei es richtig, einen Rettungsversuch zu unternehmen, unterstrich Lehmann, der sich zunächst noch dafür ausgesprochen hatte, das Tier in Ruhe sterben zu lassen.

Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann hat sich via Instagram zu den geringen Erfolgsaussichten der geplanten Rettung geäußert.
Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann hat sich via Instagram zu den geringen Erfolgsaussichten der geplanten Rettung geäußert.  © IMAGO / Beautiful Sports

25. März, 15.29 Uhr: Zustand des gestrandeten Wals unverändert

Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) hat sich zum Zustand des Wals geäußert - dieser sei unverändert.

Das Tier atme und bewege den Kopf regelmäßig, liege ansonsten aber ruhig im Wasser, betonte die Expertin gegenüber NEWS5.

Zur geplanten Bagger-Aktion sagte Groß, dass das Ziel sei, "drei, vier Meter auszubaggern", um dem Wal so zu ermöglichen, in tieferes Wasser zu gelangen.

Der Zustand des gestrandeten Wals ist laut Dr. Stephanie Groß vom ITAW am Mittwoch unverändert.
Der Zustand des gestrandeten Wals ist laut Dr. Stephanie Groß vom ITAW am Mittwoch unverändert.  © NEWS5 / René Schröder

25. März, 15.10 Uhr: Probelauf mit Bagger am Mittwoch geplant

Wie Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke erklärte, soll der große Bagger gegen 15.30 Uhr vor Ort eintreffen. Anschließend müsse er noch vorbereitet werden, was circa zwei Stunden dauern werde. Anschließend sei ein Probelauf geplant.

Am morgigen Donnerstag soll dann der richtige Versuch unternommen werden, dem Wal mithilfe eines Kanals zur Freiheit zu verhelfen. Dabei soll dann auch noch ein weiterer, dritter Bagger zum Einsatz kommen.

Die Hoffnung sei groß, dass die Maßnahmen funktionierten und der Wal es annehme, so Partheil-Böhnke. "Einen Plan B haben wir nicht", verdeutlichte der Politiker. Sollte der Versuch scheitern, müssten weitere Möglichkeiten ausgelotet werden.

25. März, 14.42 Uhr: Gestrandeter Wal größer als bisher angenommen

Der gestrandete Wal ist offensichtlich größer als bisher angenommen. Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass er wahrscheinlich zwischen 12 und 15 Meter lang sei. Zuvor war von 10 bis 12 Metern die Rede gewesen.

Das Gewicht dürfte sich auf geschätzte rund 15 Tonnen belaufen. Das Alter sei schwer zu bestimmen, auch wegen der Hautveränderungen im Zuge der Strandung, so Schnitzler.

Der in der Ostsee gestrandete Wal ist offensichtlich größer als bisher angenommen.
Der in der Ostsee gestrandete Wal ist offensichtlich größer als bisher angenommen.  © Jens Büttner/dpa

25. März, 11.13 Uhr: Neuer Bagger im Anmarsch, doch die nächsten Probleme deuten sich an

Nachdem der Einsatz eines Saugbaggers am Dienstag schon nach kurzer Zeit abgebrochen werden musste, weil der Sand um das Tier herum zu fest ist, wurde ein anderer Bagger angefordert.

Das Gerät soll nach Angaben eines Reporters vor Ort gegen 14 Uhr eintreffen.

Ein Einsatz am Mittwoch sei aber höchst unwahrscheinlich, so Dennis Sontopski, Hauptamtsleiter der Gemeinde Timmendorfer Strand, im Gespräch mit TAG24. "Natürlich soll das alles schnellstmöglich losgehen, aber aufgrund des starken Windes ist es im Moment gar nicht möglich", erläutert Sontopski.

Laut Deutschem Wetterdienst soll der Wind am Abend nachlassen.

25. März, 10.08 Uhr: Sturm peitscht das Wasser aus der Bucht

Mit bis zu 105 Stundenkilometern peitscht der Sturm über Norddeutschland - und das aus der gänzlich falschen Richtung.

"Das Wasser wird scheinbar gerade aus der Bucht gedrückt und damit wird es flacher. Das kann dann für den Wal noch schwieriger werden", sagte Carsten Manheimer am Mittwochmorgen gegenüber TAG24.

Der Skipper befindet sich derzeit auf der "Triton", dem Schiff der Organisation Sea Shepherd Deutschland e.V., in Travemünde.

Xaver Lange kann das Gefühl des Tierschützers bestätigen. "Der Sturm drückt das Wasser aus der westlichen Ostsee. Dadurch erreichen wir heute Wasserstände von 35 Zentimetern unter Normalnull", so der Experte vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

In der Nacht zu Donnerstag sinkt das Wasser um weitere 5 Zentimeter. Zum Vergleich: "Die ganzen letzten Tage hat sich der Wasserstand bei einer leichten Tide im Bereich zwischen -10 bis +10 Zentimeter bewegt", erklärte Lange.

Der Sturm peitscht die Ostsee auf und drückt das Wasser aus der Bucht.
Der Sturm peitscht die Ostsee auf und drückt das Wasser aus der Bucht.  © Marcus Brandt/dpa

25. März, 8.30 Uhr: Der Buckelwal lebt, aber wird ruhiger

Auch am dritten Tag liegt der Wal noch Nahe der Einfahrt zum Niendorfer Hafen. Die Sicherheitskräfte, die den Wal vom Land aus vor Schaulustigen abschirmen, berichten, dass das Tier ruhiger geworden ist.

Die Position sei laut Reporter vor Ort unverändert.

24. März, 17.26 Uhr: Meeresschützer hält Maßnahmen für "gerechtfertigt"

Carsten Manheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd bewertete das Vorhaben, den Wal mithilfe eines Saugbaggers zur Freiheit zu verhelfen, gegenüber TAG24 als "vernünftig". Es sei vor allem wichtig, dass nicht an dem Tier gezerrt und gezogen werde.

Anders als zum Beispiel Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann, der auf Instagram gefordert hatte, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, halte er die Maßnahmen für "gerechtfertigt".

Manheimer kritisierte vor allem, dass Lehmanns Einschätzung auf Bilder und Videos basiere, während er und andere Experten sich vor Ort ein eigenes Bild des Zustands des Wals gemacht hätten.

"Der Wal ist nicht kurz vor dem Kollabieren und sieht auch nicht unterernährt aus", unterstrich Manheimer. Wenn er irgendwann wirklich nicht mehr zu retten sei, werde man ihn natürlich in Ruhe lassen, unterstrich er.

24. März, 16.44 Uhr: Sand rund um den Wal zu fest für den Saugbagger

Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte vor Ort, dass der Sand rund um den Wal zu fest für den Saugbagger sei.

"Das heißt, der Saugbagger kriegt den Sand nicht angelöst und kann ihn auch nicht abpumpen. Es ist jetzt ein anderer Bagger angefordert worden", so Groß. Dieser soll jedoch erst am morgigen Mittwoch eintreffen und am Donnerstag einsatzbereit sein.

Wie die Expertin weiter mitteilte, seien für den Moment keine weiteren Maßnahmen geplant. "Wir wollen das Tier nicht weiter stressen", erläuterte Groß.

Dieser Saugbagger sollte zur Rettung des gestrandeten Wals beitragen, scheiterte jedoch am zu festen Sand.
Dieser Saugbagger sollte zur Rettung des gestrandeten Wals beitragen, scheiterte jedoch am zu festen Sand.  © NEWS5 / Sebastian Peters

24. März, 16.24 Uhr: Einsatz von Saugbagger nach kurzer Zeit gestoppt

Was ist da los? Der Einsatz des Saugbaggers wurde nach nur wenigen Minuten schon wieder gestoppt. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar.

Der Saugbagger hatte zunächst in einiger Entfernung von dem Wal Sand abgesaugt, um das Tier an die Geräusche zu gewöhnen. Anschließend war der Bagger mit einem Polizeiboot zum Wal gebracht worden.

Kurz nach dem Beginn der Maßnahmen wurde der Bagger jedoch wieder zurück an Land gebracht. Derzeit beraten sich die Experten vor Ort über die weiteren Schritte.

Titelfoto: NEWS5 / René Schröder

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